20. Mai 2013 - Biometrie

Gesichtserkennung im Fernseher: Kein Blick in die Zukunft

Biometrische Verfahren halten bereits Einzug ins heimische Wohnzimmer. Fernseher mit Gesichtserkennung sind ein Beispiel dafür, dass man bei der Suche nach biometrischen Verfahren besser zweimal hinsehen sollte.

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Ob nun die Gesichtserkennung für den Fernseher oder der Fingerabdruck für das Auto - biometrische Verfahren begleiten uns nicht nur im Unternehmen, sondern auch im Alltag. (Bild: Thinkstock)

Fernbedienung war gestern

Wenn Sie sich vor den Fernseher setzen, um Ihre Lieblingssendung zu schauen, schalten Sie bisher mit der Fernbedienung auf das entsprechende Programm.

Besonders moderne Fernseher schaffen die Fernbedienung jedoch nahezu ab. Bei Modellen wie den Smart Viera TVs von Panasonic können Sie auch per Sprache Kommandos geben. Oder Sie machen gar nichts und lassen sich durch den Fernseher erkennen, der dann automatisch Ihre individuelle Benutzeroberfläche auf den Bildschirm ruft.

Solche Fernseher mit Gesichtserkennung sind keine Zukunftsmusik, sondern bereits auf dem Markt verfügbar.

Gesichtserkennung greift um sich

Nun müssen Sie sich als betrieblicher Datenschutzbeauftragter nicht auch noch ums heimische Wohnzimmer kümmern, es sei denn, die Kundenprodukte Ihres Unternehmens nutzen biometrische Zugangskontrollsysteme. Doch der Fernseher mit Gesichtserkennung zeigt ebenso wie die Diskussion um die Xbox One von Microsoft, dass das Thema Gesichtserkennung nicht vom Tisch ist, sondern an allen denkbaren Stellen plötzlich auftauchen kann.

Biometrie in vielen Produkten

Tatsächlich sind biometrische Verfahren bereits in vielen Produkten integriert:

  • Sei es der Kaffeevollautomat, der nach dem Scannen des Fingerabdrucks den speziell hinterlegten Kaffeewunsch erfüllt,
  • der Drucker, der die Berechtigung des Nutzers über einen Fingerabdruck-Scanner abprüft, oder
  • das Fahrzeug, das den Fahrer erkennt und seine individuellen Einstellungen vornimmt.

Bei IT-Systemen sind es insbesondere die Zutritts- und Zugangskontrolle, bei der ein Biometrie-Verfahren als Passwort-Ergänzung oder aber als Ersatz genutzt wird.

Akzeptanz hoch, Missbrauchspotenzial auch

Die aktuelle Ponemon-Studie „Moving Beyond Passwords: Consumer Attitudes on Online Authentication“ zeigt, dass deutsche Verbraucher biometrischen Verfahren nicht abgeneigt sind:

  • 45 Prozent der deutschen Nutzer würden biometrischen Verfahren zur Anmeldung bei Online-Diensten zustimmen,
  • 29 Prozent nur unter der Voraussetzung, dass die jeweilige Organisation nicht auf die biometrischen Daten zugreifen kann,
  • nur 26 Prozent lehnen biometrische Verfahren ab.

Dabei bevorzugen die deutschen Nutzer die Stimmerkennung (91 Prozent Zustimmung) und die Gesichtserkennung (72 Prozent). Etwas weniger beliebt ist die Auswertung von Fingerabdrücken (62 Prozent).

Biometrische Verfahren nicht übersehen

Man kann vermuten, dass die Stimmerkennung und die Gesichtserkennung eher unkritisch gesehen werden, da man scheinbar solche Daten kaum missbrauchen kann. Bei Fingerabdrücken ist schon eher das Gefühl vorhanden, dass hier ein Missbrauch möglich wäre.

In Wirklichkeit aber bleibt festzustellen: Jedes biometrische Verfahren, das zur Authentifizierung genutzt wird, könnte missbraucht werden. Arbeitet eine Zugangskontrolle über die Gesichtserkennung und nicht über einen Fingerabdruck-Scanner, dann sind es die Daten aus der Gesichtserkennung, die im Fall von Diebstahl und Missbrauch eine Vortäuschung der Identität des Opfers erlauben.

Deshalb sollte jedes biometrische Verfahren auf sein Missbrauchspotenzial hin untersucht und entsprechend abgesichert werden. Auch wenn die Verwendung der Daten scheinbar harmlos ist, wie zum Beispiel der programmierte Kaffeewunsch oder der Startbildschirm beim Fernseher, es kommt darauf an, was man noch alles mit den biometrischen Daten anstellen könnte, wenn diese nicht sicher genug verwahrt oder übertragen werden.

Prüfen Sie deshalb mit der aktuellen Checkliste als Arbeitshilfe, welche biometrischen Verfahren in Ihrem Unternehmen genutzt werden und wie es jeweils um deren Sicherheit steht.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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