25. September 2009 - Generalist mit Spezialkenntnissen

Das Berufsbild des Datenschutzbeauftragten

Datenschutzbeauftragte haben eine gesetzliche Aufgabe – und wenig Macht, ihre Erfüllung durchzusetzen. Um zu überzeugen, müssen sie Fachkenntnisse und soziale Kompetenz geschickt kombinieren.

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Das deutsche Datenschutzrecht setzt stark auf die Selbstkontrolle der verantwortlichen Stelle, d.h. der jeweiligen Geschäfts- bzw. Behördenleitung, unterstützt durch den DSB.

In der beruflichen Praxis ist es jedoch nicht immer einfach, die gesetzlich vorgesehene Augenhöhe mit den oft ausgeprägten Persönlichkeiten auf Leitungsebene zu erreichen.

Der Spagat im Berufsalltag

Auch die aktuelle Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes hat die Rolle des Datenschutzbeauftragten nicht so gestärkt, wie dies wünschenswert gewesen wäre. Der Widerspruch zwischen gesetzlichem Anspruch und erzwungener Machtlosigkeit bleibt damit weiterhin Berufsalltag der DSBs!

Erfolg hat viele Väter

Dies hat gravierende Konsequenzen. So kann Datenschutz weiterhin nur dort erfolgreich sein, wo neben einem kompetenten DSB und einer starken Mitarbeitervertretung auch eine Behörden- bzw. Unternehmensleitung vorhanden ist, die den Datenschutz ernst nimmt.

Da dies der Ausnahmefall sein dürfte, wird vom Datenschutzbeauftragten neben unerschütterlichen Fachkenntnissen immer auch ein gerütteltes Maß an Kommunikationsfähigkeit gefordert – und Frustrationstoleranz!

Berufsbild: Generalist mit Spezialkenntnissen

Dies wurde vom Landgericht Ulm vor nunmehr 20 Jahren bereits erkannt, als es das Fundament für das Berufsbild des Datenschutzbeauftragten setzte.

Die vom Landgericht Ulm beschriebenen Qualifikationen in der Fachkunde machen den Datenschutzbeauftragten zu einem Weiterbildungsberuf, der aus Spezialisten, vorzugsweise Juristen und Informatikern, Generalisten mit Spezialkenntnissen macht.

Fachkunde nach LG Ulm:
  • Gesetzeskenntnis
  • Verankerung in der Organisation
  • Computerexperte
  • Fähigkeit zur Wissensvermittlung
  • Einfühlungsvermögen
  • Organisationstalent
  • Beständigkeit

Der Schlüssel zum Erfolg

Wie die optimale Ausbildung aussieht, daran scheiden sich die Geister noch immer. Während die einen Anbieter auf eine möglichst frühe und breite Ausbildung setzen, verfolgen andere eine möglichst späte und tiefgehende Ausbildung, die auf möglichst viele Eventualitäten des Berufslebens von Anfang an vorbereitet.

Dabei herrscht weitgehend Einigkeit über die wesentlichen Inhalte einer profunden Ausbildung:

  • Datenschutzrecht
  • technischer Datenschutz
  • betriebliche Organisation
  • Datenschutzpraxis
  • Arbeit der Aufsicht

Datenschutzberater und Datenschutzbeauftragter

Nichts ist wichtiger für das Konzept der lebenslangen Professionalisierung als Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit der Ausbildungswege. Dabei kommt dem modularen Aufbau, aus dem sich der Lernende die für ihn wichtigen Bestandteile auswählen kann, eine Schlüsselposition zu.

Damit wird eine gute Datenschutzausbildung auch für die Rolle der „Datenschutzberater“ in den Fachabteilungen interessant. Wir benötigen viel mehr Zusatzqualifizierte, da diese den Datenschutzbeauftragten als „Multiplikatoren vor Ort“ entlasten.

Lebenslanges Lernen mit System

Letztendlich gehört einem durchgängigen und durchlässigen Ausbildungssystem die Zukunft. Orientierung bietet das European Credit Transfer and Accumulation System, das vergleichbare Hochschul- und Universitätsabschlüsse in Europa geschaffen hat.

Langfristig wird sich nur ein Ausbildungssystem durchsetzen, das die bestehenden Insellösungen verbindet und eine fortgesetzte Professionalisierung fördert.

Prof. Dr. Markus Schäffter

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