15. August 2016 - DSGVO: Löschpflichten

So gehen Sie das Recht auf Vergessenwerden an

Viele Unternehmen haben große Probleme mit den Löschpflichten. Das zeigen Umfragen immer wieder. Die Datenschutz-Grundverordnung und das Recht auf Vergessenwerden dürften den Zustand nicht verbessern, im Gegenteil. Sorgen Sie daher dafür, dass Ihr Unternehmen bzw. Ihre Mandanten frühzeitig handeln und Schwachstellen beseitigen.

Recht auf Vergessenwerden: Mit der DSGVO dringender denn je Die Datenschutz-Grundverordnung verankert das Recht auf Vergessenwerden gesetzlich (Bild: Spectral-Design / iStock / Thinkstock)

Das sichere und vollständige Löschen von Daten gehört zu den Evergreens im Datenschutz. Es findet sich nicht nur im Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), sondern zukünftig auch in der Datenschutz-Grundverordnung (Art. 17 DSGVO, siehe dazu „Löschpflichten: Was das Recht auf Vergessenwerden wirklich bedeutet“).

Obwohl Datenschützer seit Jahren fordern, die Löschpflichten einzuhalten, zeigen Umfragen regelmäßig, wie schlecht es um die Umsetzung steht.

Mit der DSGVO und dem Recht auf Vergessenwerden steigt die Gefahr, dass Unternehmen mit Sanktionen zu kämpfen haben, wenn sie sich nicht um das fristgerechte Löschen der Daten kümmern. Doch warum bereitet das so große Probleme?

Dark Data: Fehlende Übersicht über Datenbestände

Deutsche Unternehmen kennen den Inhalt von 66 % ihrer gespeicherten Firmendaten nicht. Das zeigt der „Databerg-Report 2015“ von Veritas Technologies LLC. Man spricht hier von „Dark Data“.

Die Datenberge und Dark Data nehmen weiter zu. Der Report nennt drei Gründe:

  1. IT-Strategien, die auf mehr Speicher- und Datenvolumen setzen, statt auf den Wert der Daten zu achten
  2. das Grundvertrauen in kostenlosen Speicherplatz besonders aus der Cloud
  3. Mitarbeiter, die Datenrichtlinien ihrer Arbeitgeber missachten

Zuständigkeiten fehlen oder sind falsch

Der „Data Genomics Index“ von Veritas Technologies zeigt zudem, dass Unternehmen mehr als 40 Prozent der Dateien in den letzten drei Jahren nicht verwendet haben.

Solche verwaisten Daten haben keinen aktuellen „Eigentümer“. Der hat entweder seine Rolle im Unternehmen gewechselt oder hat es verlassen, so die Studie.

Der Index zeigt, dass verwaiste Daten oft Videos, Bilder und Präsentationen sind. Sie können durchaus vertraulichen Charakter haben und wären daher zu schützen sowie fristgerecht zu löschen. Fühlt sich oder ist sogar niemand zuständig, passiert jedoch nichts.

Fokus Entwicklerdateien

Nehmen Sie vor allem den Entwicklungsbereich genauer unter die Lupe, wenn Sie die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten bei den Löschpflichten prüfen. Der Index zeigt, dass

  • Bilder,
  • Entwicklerdateien und
  • komprimierte Daten

fast ein Drittel der gesamten Datenberge ausmachen.

Gemessen an der reinen Zahl der Dateien machen Entwicklerdateien 20 Prozent der Gesamtmenge aus.

Argumente für das Löschen

Die eingangs genannten Sanktionen und Bußgelder sowie das Pochen auf Compliance allein sollten nicht die Motivation im Unternehmen sein, fristgerecht zu löschen.

Machen Sie als Datenschutzbeauftragter klar, dass

  • das Löschen von Daten kostbaren und teuren Speicherplatz einspart. Nicht alles lässt sich in einer scheinbar kostenlosen Cloud-Lösung speichern.
  • gelöschte Daten nicht mehr kostspielig gegen Datendiebstahl und Datenverlust geschützt werden müssen.

Um es klar zu sagen: Viele Unternehmen sichern Daten, die sie längst gelöscht haben sollten. In den Backups schlummern viele Löschkandidaten. Das muss sich ändern.

Nutzen Sie die Checkliste, um Unternehmen besser auf das Recht auf Vergessenwerden vorzubereiten. Es lohnt sich, nicht nur für den Datenschutz.


Download: Checkliste Vorbereitung auf die DSGVO


Weiter gedacht, muss es darum gehen, im Unternehmen ein regelrechtes Löschkonzept aufzusetzen. Tipps dazu lesen Sie im Beitrag „Wie erstelle ich als Datenschutzbeauftragter ein Löschkonzept?

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker (Universität Bonn), Analyst und IT-Fachjournalist im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz. Er ist Herausgeber und Fachautor zahlreicher Fachpublikationen.

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