6. Mai 2013 - Soziale Netzwerke und Smartphones

Facebook Home: Keine Heimat für den Datenschutz?

Wer die neue Anwendung Facebook Home installiert, stellt auf modernen Android-Smartphones das soziale Netzwerk in den Mittelpunkt all seiner Aktivitäten. Für intensive Facebook-Nutzer kann dies Vorteile haben. Doch es gibt mögliche Auswirkungen auf den Datenschutz.

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Über den App Launcher von Facebook Home können sich die Aktivitäten von Smartphone-Nutzern nachverfolgen lassen (Bild: Thinkstock)

Apps mit Nebenwirkungen

Mobile Anwendungen, kurz Apps genannt, lassen sich in aller Regel schnell herunterladen und installieren. So ist es nicht verwunderlich, dass laut Bitkom ein Smartphone-Nutzer durchschnittlich 23 Apps installiert hat. Leider sind nicht alle Apps harmlos, im Gegenteil. Viele Apps haben scheinbar eine praktische Funktion, sammeln aber in Wirklichkeit Daten des Nutzers, und zwar ohne sein Wissen.

Welche Nebenwirkungen Apps haben können, zeigen auch die Apps für soziale Netzwerke.

Soziale Netzwerke auf dem Smartphone

Alle führenden sozialen Netzwerke bieten inzwischen Apps für Smartphones und Tablets an. Die Funktionen dieser Apps umfassen meist den Zugriff auf die Liste der eigenen Kontakte und auf das eigene Profil. Zudem können Nachrichten mit anderen Mitgliedern ausgetauscht sowie Statusmeldungen mit Foto und aktuellen Positionsangaben in dem jeweiligen sozialen Netzwerk veröffentlicht werden.

Die neue App von Facebook geht aber noch einige Schritte weiter.

Facebook Home macht es anders

Normalerweise muss ein Nutzer die Liste seiner Apps durchsehen und gezielt zum Beispiel die Facebook-App auswählen, um dann Facebook auf dem Smartphone nutzen zu können. Die neue App Facebook Home kehrt wird diese Situation jedoch um: Startet man sein Smartphone, öffnet sich als erstes Facebook Home. Will man eine andere App nutzen, muss man erst danach suchen. Facebook-Nutzer bekommen also eine Abkürzung zu Facebook.

Aber was könnte diese geänderte Benutzerführung auf Smartphones für den Datenschutz bedeuten?

Sorgen um den Datenschutz

Bereits kurz nach der Veröffentlichung von Facebook Home erhielt das Unternehmen Facebook Fragen zum Thema Datenschutz. Viele Funktionen von Facebook Home entsprechen denen der normalen Facebook-App, die weiterhin verfügbar ist. Der Unterschied liegt zum einen darin, dass Facebook-Meldungen und Funktionen in den Vordergrund treten, der Startbildschirm des Smartphones also Facebook-Funktionen gewidmet ist.

Ein weiterer Unterschied bezieht sich auf die Nutzung anderer Apps: Bislang hatte die Verwendung anderer Apps nichts mit der Facebook-App zu tun, sofern es speziell mit Facebook verknüpfte Apps waren, zum Beispiel durch die Anmeldung bei der App über Facebook. Nun aber gibt es den sogenannten App Launcher bei Facebook Home.

App-Launcher: Informationen über Nutzung anderer Apps

Der App Launcher in Facebook Home soll die Apps umfassen, die der Nutzer besonders gerne verwendet. Diese Apps müssen nicht von Facebook oder einem Facebook-Tochterunternehmen kommen. Auch Apps Dritter können aus der Gesamtliste in den App Launcher von Facebook Home übernommen werden.

Sicherheitsforscher kritisieren nun, dass Facebook über den App Launcher die Verwendung der besonders beliebten Apps des Nutzers nachverfolgen kann, vorausgesetzt, sie wurden in den Facebook App Launcher kopiert.

Facebook selbst erklärt, keine Informationen darüber zu bekommen, was die Nutzer mit den Apps im App Launcher machen, aber Facebook erfährt, dass der Nutzer etwas mit diesen Apps macht. Diese Daten werden laut Facebook für 90 Tage in identifizierbarer Form vorgehalten. Je nach App kann aber bereits diese Information einiges über den Nutzer aussagen.

Insbesondere bei der betrieblichen Nutzung privater Endgeräte (BYOD) sollte geprüft werden, ob eine App wie Facebook Home Einflüsse hat, die dem Unternehmen nicht recht sind.

Facebook Home als Beispiel nehmen

Facebook-Nutzer sollen die Wahl haben, ob sie Facebook Home nutzen wollen oder nicht. Die bisherige Facebook-App bleibt erhalten. Trotzdem ist Facebook Home ein Beispiel für eine App mit möglichen Nebenwirkungen, deren sich die Nutzer meist nicht klar sind.

Nutzen Sie das Beispiel Facebook Home und die aktuelle Mitarbeiterinformation, um im Unternehmen für das Thema Apps und soziale Netzwerke sowie Nebenwirkungen von Apps zu sensibilisieren.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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