8. Dezember 2014 - Neue Chancen und Risiken im E-Commerce

E-Commerce 2015: Neue Entwicklungen und ihre Bedeutung für den Datenschutz

Moderne Internettechnologien halten Einzug in Online-Handel und Online-Shopping. Dabei steht der Kunde im Fokus, wie es aus Anbietersicht auch sein soll. Die stärkere Kundenorientierung darf allerdings nicht zulasten des Datenschutzes gehen.

Im E-Commerce wird die Kundenorientierung weiter zunehmen - damit aber auch die Gefahr von sehr weitgehenden Nutzerprofilen Im E-Commerce wird die Kundenorientierung weiter zunehmen - damit aber auch die Gefahr von sehr weitgehenden Nutzerprofilen (Hemera Technologies/AbleStock.com/Thinkstock)

Das Zeitalter des Kunden

Die Geschäfte im Internet boomen. Doch ganz zufrieden sind viele Online-Händler trotzdem nicht. Sie erreichen ihre Kundschaft noch nicht richtig, und die Online-Werbung ist vielen Kunden eher lästig. Um den Online-Handel und das Online-Shopping noch erfolgreicher zu machen, soll in den nächsten Jahren die Kundenorientierung steigen. Marktforscher sprechen davon, dass das Zeitalter des Kunden anbricht, denn die IT-Lösungen werden sich immer stärker nach dem Anwender und dem Kunden richten. Daran ist nichts auszusetzen, im Gegenteil – vorausgesetzt, der Datenschutz stimmt.

Einkauf, Marketing und Nutzer brauchen Aufklärung

Als Datenschutzbeauftragte oder Datenschutzbeauftragter sollten Sie immer die neuen Entwicklungen im Blick haben, um die Fachbereiche, die Geschäftsleitung, aber auch die einzelnen Nutzer so früh wie möglich auf Datenrisiken hinzuweisen. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Trends, die 2015 für den E-Commerce erwartet werden. Die meisten dieser Trends haben eine direkte Auswirkung auf den Datenschutz und damit Ihre Tätigkeit als Datenschutzbeauftragter.

Neue Technologien und das Risiko des Profilings

Der wesentliche Punkt der stärkeren Kundenorientierung im E-Commerce aus Datenschutz-Sicht ist die Bildung von Nutzerprofilen. Hier gibt es klare Grenzen, darunter die notwendige Anonymisierung oder Pseudonymisierung der Nutzerdaten, wenn keine Einwilligung für die Nutzung zu Werbezwecken vorliegt. Doch die Datenschutz-Aspekte reichen noch weiter, wenn man sich die einzelnen Entwicklungen genauer ansieht.

Was im E-Commerce kommen soll und wird

Als E-Commerce-Trend gilt zum Beispiel die Integration der verschiedenen Verkaufskanäle, also die Verknüpfung des stationären Handels, des Online-Handels und des mobilen Handels. Kunden sollen auf allen Wegen einkaufen können. Wenn sie sich zum Beispiel bei einer Recherche im Online-Shop auf dem Smartphone für etwas Bestimmtes interessiert haben, sollen diese Informationen auch im lokalen Geschäft vorliegen. Möglich werden solche Verknüpfungen immer dann, wenn eindeutige Kennzeichen wie die Nummer einer Kundenkarte verwendet werden.

Weitere Trends:

  • Das Bezahlen soll weiter zusammenwachsen. Bezahlverfahren aus dem Mobile Payment sollen sich zunehmend in den lokalen Geschäften einsetzen lassen, ein Trend, der bereits deutlich sichtbar ist. Wenn jedoch die mobile Sicherheit nicht stimmt, holt man sich die Risiken in die anderen Bereiche des Handels, also an die Kasse des stationären Geschäfts.
  • Die Kundenansprache im Online-Handel soll in Zukunft nicht nur persönlicher sein, sondern noch relevanter hinsichtlich des aktuellen Aufenthaltsorts und des aktuellen Zeitpunkts. Die Werbung auf dem Smartphone wird dann angepasst auf den Zeitpunkt und den Standort des Nutzers, es wird also zum Beispiel berücksichtigt, ob sich ein passendes Geschäft in der Nähe befindet und ob es gerade geöffnet hat.
  • Der berufliche oder betriebliche Einkauf wird sich immer mehr dem privaten Einkaufsverhalten angleichen, so die Marktforscher. Die Werbemethoden, die für Endkunden eingesetzt werden, erreichen damit auch den beruflichen Einkäufer. Damit ziehen beispielsweise Ortungslösungen auch in den B2B-Handel ein, um standortrelevante Werbung schalten zu können.
  • Als letztes Beispiel sei die Kombination aus virtueller Realität und dem tatsächlichen Umfeld genannt. Die Marktforscher sehen eine starke Tendenz dahin, dass angebotene Produkte in Kamerabilder eingeblendet werden, damit sich die Käufer besser vorstellen können, wie zum Beispiel der neue Schrank ins Büro passt. Dabei stellt sich immer die Frage, welche Bildinformationen an den Anbieter übertragen werden, ob zum Beispiel die Zusammenstellung der virtuellen Aufstell-Probe in der Cloud oder nur lokal auf dem Endgerät stattfindet.

Es zeigt sich, dass mit den neuen Trends im Online-Handel so datenschutzsensible Themen verbunden sein werden wie

  • Nutzerprofile,
  • Ortungsdaten,
  • Cloud Computing und
  • Bilder aus dem persönlichen Bereich.

Nutzen Sie die Arbeitshilfe, um in Ihrem Unternehmen für diese Entwicklungen zu sensibilisieren. Das unterstreicht die Tragweite und Bedeutung des Datenschutzes bei neuen Technologien.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker, ist IT-Fachjournalist und IT-Analyst.

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