28. Februar 2011 - Drucken in der Wolke

Cloud Printing: Wo landen die Ausdrucke wirklich?

Während viele Unternehmen das Drucken im eigenen Netzwerk noch nicht unter Kontrolle haben, nehmen die Angebote für Drucken über das Internet weiter zu. Das sogenannte Cloud Printing spricht besonders Nutzer mobiler Endgeräte an. Dieses Drucken aus der Ferne kann jedoch auch Datenrisiken mit sich bringen.

drucken-in-der-wolke-wo-landen-die-ausdrucke-wirklich.jpeg
Cloud Printing: Sicherheitsvorkehrungen verhindern, dass vertrauliche Ausdrucke "irgendwo" landen (Bild: Thinkstock)

Cloud Printing: Der Drucker zum Smartphone

Stellen Sie sich vor, ein Außendienstmitarbeiter empfängt eine E-Mail mit einem aktualisierten Angebot, das er dem Kunden umgehend zeigen soll.

Leider befinden sich E-Mail und Anhang nur auf dem Smartphone des Kundenberaters. Einen Drucker hat er nicht dabei. Da wäre es doch eine schöne Idee, wenn der Außendienstler über das mobile Internet einen Drucker in seiner Nähe finden könnte, den er nutzen kann.

Dank Cloud Printing, dem Drucken über einen Serviceprovider im Internet, braucht der Kundenberater dazu keinen passenden Druckertreiber, sondern er startet einfach den Ausdruck. Um den Rest kümmert sich der Cloud Printer.

Wo ist mein Ausdruck?

Wird jedoch der Cloud-Printing-Dienst nicht richtig bedient, könnte der Ausdruck nicht bei dem entsprechend freigegebenen Drucker beim Kunden landen, sondern irgendwo sonst auf der Welt: auf einem Drucker, den der Kundenberater versehentlich als Druckziel ausgewählt hat.

Dann stellen sich so manche Fragen:

  • Wer wird den Ausdruck in Empfang nehmen, und was macht diese Person damit?
  • Speichert der Zieldrucker die Druckdaten auch noch nach dem Ausdruck, und wer kann auf diesen Speicher zugreifen?
  • Wie ist der Zieldrucker eigentlich vor Unbefugten geschützt?

Sicherheitsprobleme fangen bereits im eigenen Netzwerk an

Diese Fragen sollten vielen Unternehmen eigentlich bekannt vorkommen, gelten sie doch auch für das Drucken im eigenen Firmennetzwerk. Bereits im eigenen Netzwerk haben viele Unternehmen ihre liebe Not damit, für sicheres Drucken zu sorgen, vorausgesetzt, sie sind sich des Datenrisikos durch ungeschützte Drucker überhaupt bewusst.


Download:


Fernzugriff mit Schwachstellen

Wenn sich jedoch der Drucker über das Internet ansprechen lässt, gesellen sich neue Probleme dazu. So zeigte zum Beispiel der Sicherheitsanbieter Zscaler, dass eine Remote-Funktion bei Multifunktionsdruckern eines bekannten Herstellers von Unbefugten missbraucht werden kann.

Die gefundene Schwachstelle ermöglicht, dass ein Angreifer aus der Ferne die Dokumente im Multifunktionsdrucker einscannen und an eine beliebige Internetadresse verschicken kann.

Kein Cloud Printing ohne Absicherung

Das neuartige Cloud Printing könnte noch ganz andere Risiken mit sich bringen:

  • Druckaufträge können im Internet abgefangen, gelesen und manipuliert werden, wenn sie nicht verschlüsselt und digital signiert sind.
  • Der Cloud-Printing-Dienstleister könnte die Druckaufträge unerlaubt auswerten, selbst bei verschlüsseltem Inhalt, wenn der Name der zu druckenden Datei Informationen über den Inhalt preisgibt (zum Beispiel „Angebot_Server_Mustermann.doc“).
  • Der Cloud-Printing-Provider könnte unerlaubt eine Kopie der zu druckenden Daten dauerhaft vorhalten.

Gleichzeitig besteht meist Unklarheit über die Sicherheit des Zieldruckers:

  • Unbefugte könnten den Ausdruck stehlen oder sogar den Drucker mitnehmen, um an die Daten auf der Festplatte zu kommen.
  • Datendiebe könnten die Internetverbindung des Zieldruckers belauschen (Netzwerk-Sniffing).
  • Hacker könnten den Zieldrucker über das Internet angreifen und als Tor ins Firmennetzwerk nutzen.
  • Der Zieldrucker könnte falsch konfiguriert werden und die Druckdaten ungewollt per E-Mail an Dritte weiterleiten.

Sicherheitsanforderungen an Zieldrucker und Provider

Bevor also in Ihrem Unternehmen der Außendienst ins Schwärmen gerät und Cloud Printing einsetzen möchte, sollten die Sicherheitsvorkehrungen des Cloud-Printing-Dienstleister (wie Google Cloud Print und HP ePrint) geprüft und die möglichen Zieldrucker nach ihrem Sicherheitsstatus ausgewählt werden.

Die Idee, von jedem internetfähigen Gerät auf jedem freigegebenen Drucker mit Internetzugang weltweit Ausdrucke produzieren zu können, ist eben nicht nur eine angenehme Vorstellung, sondern auch ein potenzielles Datenrisiko. Nutzen Sie daher auch die Tipps für sicheres Drucken.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

Sie glauben, Sie hätten noch so viel Zeit? Falsch! Es gibt mehr zu tun, als Sie vielleicht denken! ▶ Zeit zu handeln