26. Oktober 2015 - Datenschutzschulung: Werbung im Internet

Der richtige Umgang mit Online-Werbung

Internet-Werbung ist nicht automatisch störend. Sie kann auch nützlich sein. Entscheidend ist dabei das Interesse des Nutzers. Können Lösungen wie die Acceptable Ads Initiative Nutzern helfen, störende Werbung zu vermeiden? Oder sind andere Schritte erforderlich?

Was bringt die Acceptable Ads Initiative? Die Acceptable Ads- und andere Initiativen sind nur eine Möglichkeit, sich vor unerwünschter Online-Werbung zu schützen (Bild: Zoonar RF / Zoonar / Thinkstock)

Mehrere Initiativen haben es sich auf die Fahnen geschrieben, Nutzer von störender, unerwünschter und nicht datenschutzgerechter Online-Werbung (so weit wie möglich) zu befreien, darunter

  • das IAB L.E.A.N. Ads Programm (L.E.A.N. steht für Light, Encrypted, Ad choice supported, Non-invasive ads),
  • Your Online Choices (u.a. mit der Möglichkeit, sich über bestimmte Online-Werbung zu beschweren),
  • der Deutsche Datenschutzrat Online-Werbung (DDOW, freiwillige Selbstkontrolleinrichtung der digitalen Werbewirtschaft für nutzungsbasierte Online-Werbung in Deutschland) sowie
  • die Acceptable Ads Initiative.

Die Acceptable Ads Initiative macht in der letzten Zeit von sich reden, da sich dort sogar Betreiber von Werbe-Blockern beteiligen. Acceptable Ads hat ein Manifest erstellt, wie akzeptable Online-Werbung aussieht. Unternehmen, die erklären, diese Vorgaben zu beachten, werden unter bestimmten Bedingungen auf eine Whitelist gesetzt. Steht man auf der Whitelist, lassen die beteiligten Adblocker die Online-Werbung zu. Sollte ein Unternehmen auf der Whitelist gegen die Vorgaben verstoßen, können Nutzer dies melden. Doch wozu das Ganze?

Online-Werbung: Hilfreich, akzeptabel oder störend

Wer das Internet nutzt, dem begegnet Online-Werbung fast automatisch. Die meisten kommerziellen Websites nutzen Online-Werbung als Teil ihrer Finanzierung. Viele Websites versuchen, sich komplett über Werbeplätze zu finanzieren. Als Internetnutzer ist man teils über interessante Werbung erfreut, zum Teil akzeptiert man sie, wenn das jeweilige Online-Angebot ansonsten kostenlos ist. Es gibt allerdings Online-Werbung, die sowohl inhaltlich unpassend als auch von der Machart her störend ist.

Aus Sicht des Datenschutzes ist es besonders störend und zudem nicht erlaubt, wenn personenbezogene Daten des Nutzers ohne sein Wissen ausgewertet und zweckentfremdet werden. Deshalb ist es wichtig, dass Sie in Ihrer Datenschutzschulung Hinweise geben, wie man sich gegen störende Online-Werbung schützt.

Maßnahmen gegen störende Online-Werbung

Früher lautete die Empfehlung, im Webbrowser die Anzeige von Bildern zu deaktivieren, um Werbebanner auszuschalten. Heute ist ein solcher Hinweis nicht mehr zeitgemäß. Bilder auf Webseiten zu blockieren, ist keine Alternative.

  • Sinnvoll ist es dagegen weiterhin, Popup-Fenster nur nach Zustimmung aufgehen zu lassen.
  • Erwähnen Sie in Ihrer Datenschutzschulung auch den Cookie-Manager. Mit dem Cookie-Manager lassen sich Cookies von Drittanbietern blockieren, die oft von Werbenetzwerken stammen.
  • Zudem bieten moderne Browser in den Datenschutz-Einstellungen Optionen, Webseiten mitzuteilen, dass das Verfolgen von Nutzeraktivitäten unerwünscht ist („Do Not Track“).

Allerdings ist all das immer noch keine Garantie dafür, dass sich die Webseiten und Werbenetzwerke daran halten. Verhaltensbasierte Online-Werbung ist trotzdem technisch möglich. Daran dürften auch Ansätze wie die Acceptable Ads Initiative nichts grundlegend ändern.

Maßnahmen müssen zu neuen Online-Werbeformen passen

Einige der oebn genannten Initiativen bieten sogenannte Opt-out-Cookies oder Browsererweiterungen, die bestimmten Werbenetzwerken mitteilen, dass von ihnen keine Online-Werbung erwünscht ist. Doch Opt-out-Cookies könenn ungewollt gelöscht werden. Außerdem ist jede Lösung stets nur für bestimmte Werbenetzwerke wirksam.  Hinzu kommt, dass bei Online-Werbung immer neue Formen entstehen, die zum Beispiel gar nicht mit Text-Cookies arbeiten.

Wie eine Bitkom-Umfrage zu den geplanten Online-Marketing-Maßnahmen ergab, wollen jeweils rund zwei Drittel der Unternehmen mehr in Podcasts (67 Prozent) und Mobile Marketing (65 Prozent), also Marketingmaßnahmen auf Mobilgeräten, investieren, 62 Prozent in Suchmaschinenoptimierung. Jeweils rund die Hälfte der Unternehmen plant Ausgabensteigerungen für die eigene Website (53 Prozent) und soziale Netzwerke (51 Prozent). Bei der klassischen Online-Werbung, etwa mit Bannern und Werbung in Suchergebnissen (AdWords), sieht es eher zurückhaltend aus: Hier wollen nur 25 Prozent mehr Geld investieren, 27 Prozent planen dagegen Ausgabenkürzungen.

Fazit für Ihre Datenschutzschulung:

  • Online-Werbung wandelt sich. Deshalb müssen auch die Maßnahmen gegen störende Online-Werbung laufend angepasst werden.
  • Bestehende Maßnahmen gegen Online-Werbung bieten oft keinen technischen Schutz gegen unerwünschte Werbung, sondern nutzen zum Beispiel Whitelists mit Unternehmen, die einem Kodex zugestimmt haben (wie die Acceptable Ads Initiative).
  • Selbst die technischen Maßnahmen bieten keinen vollständigen Schutz, sondern lassen sich entweder übergehen oder greifen nur bei einem Teil der Werbenetzwerke.
  • Basis aller Maßnahmen gegen störende Werbung im Internet sind die Datenschutzeinstellungen im Browser, in Apps oder anderen Wiedergabe-Programmen (z.B. für Online-Videos) sowie die Haltung der Nutzer, Webseiten mit störender Werbung zu meiden.

Als Arbeitshilfe finden Sie hier eine passende Mitarbeiterinformation:


Download:


Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker (Universität Bonn), Analyst und IT-Fachjournalist im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz. Er ist Herausgeber und Fachautor zahlreicher Fachpublikationen.

Anzeige

Viele weitere Tipps für Ihre Datenschutzschulung finden Sie auch in der Zeitschrift Datenschutz PRAXIS.

Sie glauben, Sie hätten noch so viel Zeit? Falsch! Es gibt mehr zu tun, als Sie vielleicht denken! ▶ Zeit zu handeln