20. August 2008 - Grenzen des Reality-TV

Der Blick ins Schlafzimmer war zu viel

Einmal einer Kontrolleurin des Sozialamts über die Schulter schauen – angesichts der guten Einschaltquoten solcher Sendungen offensichtlich ein Wunsch vieler Fernsehzuschauer. Also rücken die Kontrolleure auch mal unangekündigt mit einem Fernsehteam an. Die Einwilligung des Kontrollierten für die Aufnahmen wird gleich vor Ort eingeholt …

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Die Einwilligung der Betroffenen

Die übliche Antwort der Fernsehsender lautet in solchen Fällen: „Die müssen natürlich vorher einwilligen, und da achten wir auch darauf.“ Was diese Aussage in der Praxis oft wert ist, zeigt ein Urteil des Landgerichts Hamburg vom 21. Januar 2005.

Widerruf der Einwilligung

Dort ging es um eine Sozialhilfeempfängerin, die solchen Aufnahmen zugestimmt hatte, danach aber ihre Zustimmung zur Ausstrahlung im Fernsehen widerrufen wollte.

Die Betroffene wurde überrumpelt

Zu Recht, urteilte das Gericht! Denn:

  • Dass Amtspersonen mit einem Fernsehteam anrücken, war für die Betroffene völlig überraschend, sie wurde dadurch überrumpelt.
  • Sie befand sich in einer Drucksituation. Denn die Amtspersonen erhofften offensichtlich, dass sie zustimmen würde, und sie wollte deren Wohlwollen nicht riskieren.
  • Sie wurde wenig vorteilhaft gezeigt, nämlich verschüchtert.

Vor diesem Hintergrund hatte das Gericht keine Probleme damit, den Widerruf der Einwilligung durch die Betroffene zu akzeptieren.

Für den Sender gilt: Außer Spesen nichts gewesen!

Dr. Eugen Ehmann

 

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