28. November 2008 - Gebrauchte Software

Datensicherheit setzt Softwareaktualität voraus!

In einer heftigen Diskussion ringen Softwarehersteller und Anbieter um die Rechtmäßigkeit des Verkaufs von gebrauchter Software. Bei aller Diskussion über Urheberrecht und Lizenzverträge sollte aber auch die Sicherheit nicht aus den Augen verloren werden. Bringen Sie deshalb den Gesichtspunkt Datensicherheit ein, wenn Ihr Unternehmen über die Einsparung von Lizenzkosten nachdenkt.

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Unternehmen, die eine bestimmte Software nicht mehr einsetzen und bereits finanztechnisch abgeschrieben haben, stellen zunehmend fest, dass auch ungenutzte Software Kosten verursachen kann.

Oftmals sind diese Programme noch auf zahlreichen Rechnern im Betrieb installiert und rauben Platz auf der Festplatte.

Softwareballast zu Geld machen?

Zudem belegen Studien, dass zahlreiche deutsche Unternehmen überlizenziert sind, also mehr Softwarelizenzen erworben haben als notwendig, und ihre Softwarebestände nicht regelmäßig überprüfen.

Die Idee liegt nicht fern, solchen Softwareballast vielleicht sogar zu Geld zu machen, anstatt dadurch Kosten entstehen zu lassen. Aus diesem Grund existiert seit einigen Jahren ein Markt für sogenannte Gebrauchtsoftware.

Der Rechtsstreit mit den Softwareherstellern ist vorprogrammiert

Der Verkauf von gebrauchter Software mag für Anwenderunternehmen eine interessante Möglichkeit sein, die eigene Liquidität zu erhöhen.

Für die Softwarehersteller ist der Markt für Gebrauchtsoftware eher unerfreulich. Schließlich werden neue Programme entwickelt, die verkauft werden wollen, und die bereits verkauften Lizenzen bringen im Weiterverkauf durch den Erstkunden erst einmal keinen Neuumsatz.

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Bisher ist nichts abschließend entschieden

Kein Wunder also, dass bereits verschiedene deutsche Gerichte über die Rechtsmäßigkeit solcher Weiterverkäufe entscheiden mussten. Auf die Fragen des Urheber- und Lizenzrechts, die dabei zu klären waren und weiterhin zu klären sind, soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden.

Eine heftige Diskussion zwischen den Parteien läuft bereits seit längerem.

Wichtig erscheint es jedoch, den oftmals nicht angesprochenen Sicherheitsaspekt zu betonen.

Nutzt sich Software tatsächlich nicht ab?

Anbieter von Gebrauchtsoftware führen meist das Argument ins Feld, dass anders als bei Autos oder Hardwareteilen die Software den Vorzug habe, sich durch den Gebrauch nicht abzunutzen.

Doch stimmt das wirklich? Ist gebrauchte Software so gut wie neue?

Neue Software ist meist sicherer als alte

Das darf bezweifelt werden, wenn man daran denkt, dass Neuentwicklungen nicht nur Zusatzfunktionen haben, die der eine oder andere Anwender gar nicht braucht. Neue Software sollte immer auch sicherer sein als frühere Versionen.

Zwar lehrt die Erfahrung, dass dies nicht immer so ist, da durch die Weiterentwicklung neue Fehler in die Software implementiert werden.

Doch wie sieht es mit den Updates und der Wartung für Gebrauchtsoftware aus?

Software entwickelt sich nach der Installation weiter

Mit jedem Update, das einen Neustart erfordert, merken Computeranwender, das sich etwas an ihrer Software ändert.

Viele Wartungsmaßnahmen und Patches erfolgen sogar ohne einen Neustart des Rechners und werden durch die Systemadministration im Hintergrund durchgeführt.

Bei gebrauchter Software können Updates fehlen – oder es gibt keinen Support mehr

Installiert man jedoch ein Programmpaket, das mehrere Jahre alt ist, hat man erst einmal einen meist veralteten Stand auf dem Rechner. Das Nachholen aller vergangenen Updates ist nicht nur zeitaufwändig.

Es ist mitunter gar nicht mehr möglich, wenn der Hersteller die Unterstützung einer bestimmten Softwareversion bereits eingestellt hat.

Ohne Aktualisierung geht es nicht

Wer also die Rechtmäßigkeit des Erwerbs von Gebrauchtsoftware für sich prüft, sollte auch immer über den Hersteller in Erfahrung bringen, ob die Software wirklich weiterhin unterstützt wird.

Dies sollte auch der Anbieter von Gebrauchtsoftware tun, wenn er die Lizenz- und Urheberfragen mit dem Hersteller vor dem Verkauf klärt.

Der Anbieter ist auch der nächste Punkt, den ein möglicher Käufer von Gebrauchtsoftware bedenken sollte. Wer ist der Anbieter und ist er auch vertrauenswürdig?

Vorsicht vor Fälschungen und Malware
Inzwischen findet man auch angebliche Gebrauchtsoftware auf Auktionsplattformen und Downloadportalen.

Hier stellt sich nicht nur die Frage, ob das dort erworbene Paket auch vollständig ist, wenn man an Lizenzurkunden und Handbücher denkt.

Es ist auch kritisch zu prüfen, ob es sich bei der Software nicht um eine Fälschung oder um eine mit Malware verseuchte Software handelt, die keine Ersparnis, sondern einen großen Schaden bringt.

Ähnliche Gefahren bestehen auch, wenn die angebliche Gebrauchtsoftware auf einem Datenträger angeboten wird, selbst wenn dieser wie ein Originaldatenträger aussieht.

Nur wenn die Sicherheit der Daten, die weiterlaufende Unterstützung durch Updates und die Rechtmäßigkeit des Weiterverkaufs geklärt sind, kann aus Gebrauchtsoftware auch wirklich ein Gewinn werden.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker, ist freier IT-Fachjournalist, Herausgeber des WEKA-Werks „
IT-Know-how für den Datenschutzbeauftragten“ und Autor bei dem WEKA-Werk „Praxishandbuch Datenschutz“.

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