15. April 2013 - Facebook betrifft nicht nur das Internet!

Datenschutz und soziales Marketing

Ein Facebook-Aufkleber am Schaufenster eines herkömmlichen Geschäfts hat scheinbar nichts mit dem Online-Datenschutz zu tun. Doch weit gefehlt! Informieren Sie Ihr Marketing, welche Verbindungen zwischen Facebook und dem stationären Handel bestehen können.

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Willkommene Werbung für jedes Unternehmen: Auch beim Einkaufen wird auf Facebook geliked, geposted und geortet (Bild: Thinkstock)

Wir haben doch keinen Online-Shop …

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen über soziales Marketing informieren wollen, werden Sie vielleicht zu hören bekommen, dass eine Werbung zum Beispiel auf Facebook gar nicht geplant sei. Schließlich habe das Unternehmen keinen Online-Shop.

Dann aber sehen Sie eines Tages an der Eingangstür zur Firma oder am Schaufenster einen Facebook-Aufkleber. Eine Rückfrage bei Ihrem Marketing ergibt, dass man Kunden dazu ermuntern möchte, ein „Like“ bei der Firmenseite auf Facebook zu platzieren oder aber ein „Check-In“ vorzunehmen.

Bitte einchecken?

Sie müssen feststellen: Ihr Unternehmen schaltet zwar keine Facebook-Werbung, aber die Facebook-Seite des Unternehmens sammelt Anhänger.

Oder Facebook-Nutzer sollen den Besuch Ihres Unternehmens anderen Teilnehmern mitteilen, indem sie Ihr Unternehmen als aktuellen Standort melden. Ein Beispiel wäre, dass ein Kunde seinen Kontakten über Facebook mitteilt, dass er oder sie gerade einen Termin bei Ihrer Firma hat.

Diese sogenannten „Check-Ins“ führen nicht nur dazu, dass Ihre Kunden Positionsdaten bei Facebook hinterlassen und letztlich Bewegungsprofile möglich machen.

Werbung genau hinterfragen

Die Idee Ihrer Werbeabteilung mit dem Facebook-Aufkleber kann noch andere Folgen haben. So könnten noch vertrauliche Geschäftsbeziehungen ungewollt öffentlich werden oder eine vertrauliche Bewerbung. Denn so mancher Facebook-Nutzer teilt fast jeden aktuellen Standort mit seinen Facebook-Kontakten, meist sogar mit allen anderen Facebook-Nutzern. Dann wird die indirekte Werbung für Ihr Unternehmen auf Facebook vielleicht zu einem Datenleck, der „Check-In“ zum ungewollten Verrat von Geschäftsbeziehungen.

Kein Facebook-Aufkleber, aber Kundenkarte

Selbst wenn Sie keinen Facebook-Aufkleber im Eingangsbereich Ihrer Firma entdecken: In Zukunft könnten auch Unternehmen des sogenannten stationären Handels Daten an Facebook liefern. Bei Online-Shops kann dazu ein Klick auf „Gefällt mir“ reichen. Im stationären, also klassischen Handel geht dies zum Beispiel über ein Kundenkarten-Programm.

Kundenkarten-Daten für das Facebook-Profil

Waren es bislang Internetaktivitäten, die ggf. mit dem Facebook-Profil in Verbindung gebracht werden konnten, sind es unter Umständen bald auch die Einkäufe und Aktivitäten in einem klassischen Geschäft. Dazu müsste der Nutzer nicht einmal seinen Besuch des Geschäfts verraten, sondern einfach nur bestimmte Kundenkarten einsetzen.

Für die USA wurde bereits über entsprechende Kooperationen zwischen Kundenkarten-Programmen und Facebook berichtet. So sollen zum Beispiel Daten des Dienstleisters Datalogix in den USA Facebook-Profile anreichern, so dass Einkäufe im stationären Handel

  • über die Kundenkarten registriert,
  • an Facebook gemeldet und
  • für passende Facebook-Werbeanzeigen genutzt werden könnten.

Nach eigenen Angaben verfügt Datalogix über Daten fast jedes US-Haushalts.

Ob solche Kooperationen zwischen Facebook und Kundenkarten-Programmen auch in Deutschland folgen werden, bleibt abzuwarten. In jedem Fall sollten Sie Ihr Marketing sensibilisieren, dass Facebook nicht nur das Internet betrifft. Mit einem kleinen Aufkleber kann es anfangen. Die Checkliste „Facebook und der stationäre Handel“ hilft Ihnen bei der internen Sensibilisierung.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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