Gratis
25. September 2017 - Umsetzung der Einwilligung

Datenschutz im Internet: So lassen sich Daten gezielt freigeben

Die Einwilligung in die Verarbeitung personenbezogener Daten bezieht sich immer auf bestimmte Daten und definierte Zwecke. Doch gerade im Internet geben Nutzer oft ihre kompletten Profil-Daten frei. Spezielle Plattformen und Apps wollen bei der gezielten Datenfreigabe helfen. Tun sie das wirklich?

Profil-Daten: alles oder nichts freigeben? Prämien für Profil-Daten? Hier ist Vorsicht angebracht. (Bild: iStock.com / lozanona)

Soziale Netzwerke und andere Online-Dienste verfügen über eine Fülle von Nutzer-Daten. Über Verknüpfungen und Schnittstellen können sie diese Daten an andere Anwendungen weitergeben. Der Datenschutz verlangt, dass dies nicht ohne wirksame, informierte Einwilligung des betroffenen Nutzers geschieht.

Einwilligung und Datenhoheit

Betrachtet man die technische Umsetzung der Einwilligung, hat der Nutzer teilweise keine Möglichkeit, die Datenfreigabe zu spezifizieren. Das heißt also festzulegen, wer welche Daten zu welchem Zweck erhalten darf.

Mitunter gibt es Einstellungen dazu, doch die Nutzer kennen oder verwenden sie nicht. Denn ein Nutzer muss für jedes Online-Profil einzeln seine Einstellungen vornehmen. Das ist mühsam – doch ohne diese Einstellungen ist die Datenhoheit in Gefahr.

Datenfreigaben über spezielle Plattformen

Sogenannte Life Management Plattformen wie Meeco oder Only Once bieten Nutzern an, bei ihnen die eigenen Daten zentral vorzuhalten und die Datenweitergabe an Dritte zu kontrollieren.

Nur wen der Nutzer als vertrauenswürdig eingestuft hat, erhält Zugriff auf die gezielt freigegebenen Daten.

Wo hakt’s?

Die Idee an sich ist reizvoll. Denn hier steht die Datenhoheit des Nutzers im Zentrum. Doch in der Praxis gibt es Probleme:

  • Die Plattformen lassen sich nur für die Dienste nutzen, die angeschlossen sind.
  • Dienste schließen sich aber einer Plattform nur an, wenn die Nutzerzahl hoch genug ist.
  • Die Nutzerzahl jedoch steigt nicht schnell genug, wenn es zu wenig teilnehmende Dienste gibt.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Solche Plattformen stellen eine Datenkonzentration dar. Sie sind also für Angreifer interessant und müssen besonders stark abgesichert werden.

Vor allem muss der Plattformbetreiber zuverlässig sein und langfristig seine Dienste anbieten. Sonst ist die Datenhoheit schnell beendet.

Datenfreigaben über spezielle Apps

Neben webbasierten Plattformen gibt es Apps, die die Datenverwaltung und -freigaben für den Nutzer vereinfachen wollen. Darunter sind sogar Apps, die für die Datenfreigaben Prämien anbieten.

Bei der App O2 GET von people.io und Telefónica NEXT entscheiden die Nutzer, welche persönlichen Informationen sie in ihr O2-GET-Konto einspeisen und mit welchen Unternehmen sie innerhalb der App interagieren.

Sie können die Verwendung dieser Daten nachverfolgen und werden für die Eingabe bestimmter Daten belohnt.

Im Detail sieht das so aus:

  • Registrieren sie sich in der App, beantworten Nutzer Fragen zu ihren Interessen und Gewohnheiten.
  • Außerdem können sie weitere Daten etwa aus E-Mail Konten mit O2 GET verbinden.
  • Auf Basis der persönlichen Interessen und Vorlieben schlägt die App Nutzern passende Marken- und Werbepartner zur Interaktion vor, ohne dass diese direkten Zugang zu den persönlichen Daten der Nutzer erhalten sollen, so die Anbieter.
  • Für freiwillig bereitgestellte Informationen erhalten die Nutzer Credit-Punkte, die sie gegen Prämien bei ausgewählten Partnern digital einlösen können.

Datenfreigaben werden also belohnt.


Download: Lösungen zur Datenfreigabe


Wichtig: Datenhoheit lohnt sich immer

Aus Sicht des Datenschutzes ist entscheidend, dass Nutzer die Datenhoheit erlangen und behalten. Prämien sollten nicht dazu verleiten, mehr Daten freizugeben als notwendig.

Die Datenhoheit an sich ist der Lohn, nicht etwa die Prämien. Das sollten sich die Nutzer solcher Freigabe-Dienste klar machen.

Es versteht sich, dass sich ein Freigabe-Dienst finanzieren muss. Ist die Werbung datenschutzgerecht, ist dies ein möglicher Weg der Finanzierung. Doch für den Nutzer selbst müssen die Datenhoheit und die selektive Freigabe immer im Mittelpunkt stehen.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker, Analyst und IT-Fachjournalist im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz.

Sie glauben, Sie hätten noch so viel Zeit? Falsch! Es gibt mehr zu tun, als Sie vielleicht denken! ▶ Zeit zu handeln