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27. März 2018 - Der Fall Facebook und Cambridge Analytica

Datenschutz bei Apps: Das Beispiel Facebook-Apps

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Der aktuelle Fall um Cambridge Analytica und Facebook zeigt deutlich: Viele Nutzer wissen nicht genug über die Apps und Datenströme bei Facebook. Der Fall zeigt aber auch: Der Datenschutz bei Apps gehört generell auf den Prüfstand, nicht nur bei Smartphones!

Datenschutz bei Apps: Das Beispiel Facebook-Apps Datenschutz bei Apps ist derzeit wieder ein hochaktuelles Thema. Bleibt zu hoffen, dass das positive Auswirkungen auf die App-Anbieter hat. (Bild: iStock.com / bigtunaonline)

Facebook-Nutzer aufgepasst!

Der aktuelle Datenskandal rund um Cambridge Analytica und Facebook wurde zu Beginn genauso missverstanden wie die Risiken durch Facebook-Apps und der Datenschutz bei Apps allgemein:

  • Bei Cambridge Analytica geht es nicht um einen erfolgreichen Hackerangriff auf Facebook-Daten oder eine andere Form von Online-Attacke.
  • Es geht um die Nutzung von Facebook-Apps und den Missbrauch der Nutzerdaten, die über diese Apps zugänglich werden können.

„Digitale Enteignung“?

Der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz schreibt hierzu: „Cambridge Analytica hat sich mit simplen Mechanismen Zugang zu den bei Facebook vorhandenen Daten verschafft“.

Zudem warnt er: „Facebook ist nicht nur eine harmlose Plattform für die Vermittlung von Nachrichten, sondern eine Datenkrake, die mit den Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer Geschäfte macht. Die bei Facebook vorhandenen Daten können von anderen in einer Art und Weise gebraucht werden, die unkontrollierbar und evtl. sogar rechtswidrig ist. Der jetzige Skandal um Facebook ist eine absehbare Folge der ‚digitalen Enteignung‘, der die Nutzer des Sozialen Netzwerks unterzogen werden“.

Apps innerhalb von Facebook

Wer wissen will, wie Unternehmen an Nutzerdaten gelangen, indem sie eine Facebook-App veröffentlichen, kann dies schlicht nachlesen.

Wichtig ist, zuerst zu verstehen, dass es nicht etwa um die Facebook-App im Google PlayStore geht, sondern um Apps innerhalb von Facebook.

Entsprechend findet sich die Anleitung, wie Sie als Nutzer Facebook-Apps verwalten, in der üblichen Facebook-Hilfe.

Im Facebook-Appcenter können Sie zum einen sehen, welche Apps Sie bereits nutzen. Zum anderen ist ersichtlich, wo sich die Verknüpfung zu den Facebook-Apps löschen lassen.

Die Integration mit Facebook-Apps lässt sich auch ganz deaktivieren. Die Beschreibung in aktueller Form findet sich jeweils in der Facebook-Hilfe. Gegenwärtig lauten die notwendigen Schritte:

  • Wähle in der rechten oberen Ecke in Facebook „Einstellungen“ aus.
  • Klicke im Menü auf der linken Seite auf „Apps“.
  • Rufe „Apps, Webseiten und Plugins“ auf und klicke auf „Bearbeiten“ und anschließend auf „Plattform deaktivieren“.

Facebook-Apps: Marketing-Instrumente und mögliche Datenspione

Im Appcenter von Facebook finden sich hauptsächlich Spiele. Und um eine Art Spiele-App ging es auch bei Cambridge Analytica.

Allerdings wollen Facebook und die App-Anbieter in aller Regel nicht spielen. Sondern Marketing betreiben und Geld verdienen. Oder eben, wie im aktuellen Fall, Nutzerdaten missbrauchen, ohne jede Einwilligung und Information. Darauf hat auch die Artikel-29-Datenschutz-Gruppe bereits hingewiesen.

Dass Unternehmen Apps bei Facebook zu Marketingzwecken nutzen, ist kein Einzelfall. Facebook selbst schreibt: „Millionen Unternehmen jeder Größe verwenden die Facebook Apps und Services, um auf jedem Gerät eine Verbindung zu echten Menschen herzustellen.“

Unternehmen können eigene Apps in Facebook entwickeln, dort veröffentlichen und die App-Interaktionen auswerten, sie können Anzeigen rund um ihre Apps schalten und analysieren.

Was die Apps dabei von den Nutzern selbst und den Kontakten der Nutzer erfahren, kommt auf die Berechtigungen an, die die App anfragt und nutzt.

Facebook beschreibt für Werbetreibende, wie sie die Zielgruppen auswählen können, sprich, welche Nutzerdaten in ihr Facebook-Marketing einfließen. Facebook nennt folgende Daten:

  • Standort: Landes- oder Ortsebene (wie Städte)
  • demografische Merkmale wie Alter, Geschlecht, Ausbildung und mehr; Beispiele von Facebook sind frischgebackene (Hoch-)Schulabsolventen, frischverlobte Personen oder Mütter und Väter.
  • Interessen, basierend auf den Interessen und Aktivitäten der Nutzer auf Facebook
  • Verhalten: Kaufverhalten, verwendete Geräte und andere Aktivitäten
  • Verbindungen: z.B. Personen, denen die App gefällt, sowie deren Freunde

Diese Nutzerdaten lassen sich für das Facebook-App-Marketing einsetzen. Die Anbieter könnten sie aber auch zu ganz anderen Zwecken missbrauchen.

Wichtig: Alle Arten von Apps auf Datenschutz hin prüfen

Um es deutlich zu sagen: Prüfen Sie nicht nur Android-Apps auf Smartphones und Tablets auf den Datenschutz hin.

Nehmen Sie auch alle Erweiterungen (Plug-ins) und Apps, die es eben nicht nur auf mobilen Endgeräten gibt, sondern auch für soziale Netzwerke wie Facebook oder für verschiedene Webbrowser, unter die Lupe.

App-Datenschutz ist also wesentlich umfassender und muss breiter aufgestellt sein. Denn es geht nicht ausschließlich um den mobilen Bereich.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker, Analyst und IT-Fachjournalist im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz.