4. Februar 2010 - Datenlöschung

Darauf müssen Sie beim Handy-Recycling achten

Mobilfunk-Provider und Handy-Hersteller rufen wieder zum Recycling von Handys und Smartphones auf. Mit solchen Aktionen werden wohltätige Organisationen unterstützt und die Umwelt entlastet. Aber auch die Daten auf den mobilen Endgeräten müssen geschützt werden, wenn sich Ihr Unternehmen an einer Recycling-Aktion für Handys beteiligt. Mit der Entfernung der SIM-Karte ist es dabei nicht getan.

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Handy-Recycling: Alte Handys und Smartphones sind nicht nur Elektronikschrott, sondern auch Datenmüll (Bild: Thinkstock)

Etwa 18 bis 24 Monate wird ein Handy oder Smartphone in Deutschland genutzt, bevor sein Anwender es gegen ein neueres Modell austauscht.

Dabei findet allerdings meist kein wirklicher Tausch statt: Das alte Gerät landet in der Schublade oder sogar im Müll, wohin es auf keinen Fall gehört.

Alte Handys als Wirtschaftsgut

Schätzungen gehen von jährlich 5.000 Tonnen Elektroschrott durch alte Handys aus. 40 bis 50 Millionen Handys liegen ungenutzt im Schrank, da sie durch einen Nachfolger ersetzt wurden.

Keine Frage, ein Recycling von Handys schützt die Umwelt und sorgt für die Wiederverwendung wertvoller Ressourcen. Doch nur etwa ein Drittel der alten Handys und Smartphones werden beim Handy-Recycling tatsächlich in ihre Bestandteile zerlegt.

Die meisten Geräte werden nach Tauglichkeitsprüfung und Software-Update wieder in den Handel gegeben, in der Regel in den sogenannten Schwellenländern wie Indien und China.

Handy-Recycling tut Gutes

Aber nicht nur die Umwelt und die Wirtschaft können vom Handy-Recycling profitieren. Mobilfunk-Provider und Handy-Hersteller nehmen in der Regel alte Handys nicht nur zurück, um diese fachgerecht entsorgen zu lassen oder wieder dem Markt zuzuführen. Sie spenden den Handy-Recycling-Erlös ganz oder teilweise für wohltätige Zwecke.

Durchaus ein Anreiz, dass auch Ihr Unternehmen alte Handys in einem Mobilfunk-Shop abgibt oder an einen speziellen Entsorgungsbetrieb schickt, um sie in den Handy-Recycling-Prozess einzugliedern. Doch hier ist Vorsicht angezeigt!

Smartphones und Handys als Datenspeicher

Als Datenschutzbeauftragter sollten Sie solch eine Handy-Recycling-Aktion begleiten und auf die personenbezogenen Daten hinweisen, die die mobilen Endgeräte im großen Umfang enthalten.

Dazu gehören nicht nur die gespeicherten Telefonbücher, Adressverzeichnisse, Aufgaben, Kalender und Rufnummernlisten. Viele Handys und Smartphones bieten auch

  • einen Browser, der einen Cache und eine Liste der besuchten Webseiten vorhält,
  • einen E-Mail-Client mit gespeicherten Nachrichten,
  • die gesammelten SMS und MMS,
  • die oftmals privaten Fotos,
  • bis hin zu geschäftlichen PDF- und Word-Dateien, die auf dem mobilen Endgerät vorgehalten werden.

SIM-Karte ist nicht alles

Leider ist es nicht so, wie manche Beschreibungen zum Handy-Recycling vermitteln: Einfach SIM-Karte entnehmen, und schon kann das Handy verschickt werden.

Das ist in aller Regel aus Datenschutz-Sicht falsch! Neben der SIM-Karte halten der interne Flash-Speicher und die zusätzlichen Speicherkarten (wie microSD-Karten) die personenbezogenen Daten vor. Dabei ist der interne Flash-Speicher der Handys nicht flüchtig, er wird also bei Entnahme des Akkus nicht gelöscht.

Auf welche Punkte Sie dabei achten bzw. worauf Sie die Kollegen hinweisen sollten, zeigt die Checkliste Datenschutz und Handy-Recycling.

Provider warnen oder lassen löschen

Die Mobilfunk-Provider in Deutschland reagieren unterschiedlich auf die Situation, dass Handys und Smartphones, die für das Recycling vorgesehen sind, noch personenbezogene Daten enthalten könnten:

  • So schreibt das Unternehmen T-Mobile dazu in seiner Handy-Recycling-Anleitung: „Bitte vergewissern Sie sich in Ihrem Interesse, dass die SIM-Karte entnommen und alle persönlichen Daten und Informationen auf dem Handy gelöscht sind“.
  • Die auf den mobilen Endgeräten vergessene Daten werden laut Aussage von Vodafone gegenüber Datenschutz PRAXIS gelöscht: „Die sich noch auf dem Gerät befindenden Daten werden automatisch gelöscht und eventuelle vergessene SIM-Karten von unserem Recycling-Partner an uns zurückgeschickt. Sofern diese Vodafone-Kunden zuzuordnen und noch aktiviert sind, werden diese dem Kunden wieder zurückgeschickt“. Bislang sei dies aber nicht der Fall gewesen bzw. wären gefundene Karten deaktiviert gewesen.
  • Werden Altgeräte in den Shops der E-Plus-Gruppe zum Recycling abgegeben, weisen die Mitarbeiter die Kunden darauf hin, dass es sinnvoll und wichtig ist, die Speicher des Geräts zu leeren, so E-Plus gegenüber Datenschutz Praxis.
    Die Recyclingpartner sind laut E-Plus an bestehende Datenschutz-Abkommen gebunden, die eine Nutzung der eventuell auf einem Altgerät vorhandenen Daten grundsätzlich untersagen und unter Strafe stellen würden. Zudem plane E-Plus in den nächsten Wochen einen Hinweis auf seinen Webseiten zum Handy-Recycling, wie wichtig es ist, alle relevanten Daten (Nummern, Fotos, Adressen etc.) vor Entsorgung des Geräts zu entfernen.

Datenlöschung meist mehr als ein paar Klicks

Als Datenschutzbeauftragter sollten Sie vorbeugen: Bevor die alten dienstlichen Handys und Smartphones der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch engagierte Kolleginnen und Kollegen eingesammelt und verschickt werden, muss ein Daten-Backup und dann eine umfassende und sichere Datenlöschung erfolgen, wenn die personenbezogenen Daten auf den mobilen Endgeräten nachvollziehbar geschützt werden sollen.

Die dazu erforderlichen Schritte betreffen nicht nur die SIM-Karte und die zusätzliche Speicherkarte, die für eine weitere Verwendung aus den Geräten genommen oder separat sicher entsorgt werden sollten. Die Datenlöschung betrifft insbesondere die internen Speicher der Geräte, die sich nicht ohne weiteres entnehmen lassen, wenn das Gerät in Schwellenländern später wieder verwendet werden soll.

Betriebssystem oder Spezialsoftware zur Datenlöschung nutzen

Zur internen Datenlöschung sind je nach Endgerät unterschiedliche Funktionen zu nutzen, die aus der – oftmals leider nicht mehr verfügbaren – Bedienungsanleitung zu ersehen sind.

Möglich ist es aber auch, spezielle Funktionen der mobilen Betriebssysteme oder aber eine Spezialsoftware zu verwenden.

Wenn dann die personenbezogenen, vertraulichen Daten von den Endgeräten sicher gelöscht sind, kann eine Aktion zum Handy-Recycling zweifellos nur begrüßt werden. Ohne Datenlöschung aber schützt man zwar die Umwelt, gefährdet jedoch die Privatsphäre der bisherigen Anwender.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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