30. März 2015 - Wenn Cloud-Lösungen die Standort-Frage stellen

Cloud Computing und der Standort der Datenverarbeitung

Die CeBIT 2015 hat gezeigt, dass immer mehr Cloud-Anbieter die Brisanz der Frage erkannt haben, wo die Datenverarbeitung in der Cloud stattfindet. Viele Anbieter werben daher mittlerweile mit einem deutschen Cloud-Standort; andere überlassen dem Anwender die Standortwahl.

Der Cloud-Standort wird immer wichtiger Immer mehr Cloud-Computing-Anbieter legen Wert auf einen deutschen Standort der Cloud (Bild: Wavebreakmedia Ltd/Wavebreak Media/Thinkstock)

Der Standort ist ein Wettbewerbsvorteil

Nicht nur auf Landwirtschafts- und Lebensmittel-Messen ist Regionalität ein Trendthema. Auch eine IT-Messe wie die CeBIT 2015 zeigt deutlich, dass der Standortfaktor eine wichtige Rolle spielt, gerade wenn es um Cloud Computing geht. Ob als Konsument von Lebensmitteln oder als Nutzer von IT-Diensten – wir Menschen wollen gerne wissen, woher ein Angebot stammt. Regionale Angebote wecken in uns das Gefühl der Vertrautheit, aber auch der möglichen Kontrolle: Man kann einen regionalen Anbieter sogar aufsuchen und sich selbst vom Qualitätsversprechen überzeugen. Wenn es um den Datenschutz im Cloud Computing geht, soll dies der Nutzer letztlich sogar, so jedenfalls der rechtliche Anspruch.

Deutsche Cloud-Anbieter werben mit ihrem Standort

Auffallend bei der CeBIT 2015 war, dass viele Anbieter auf „Made in Germany“ oder „Cloud-Dienste aus Deutschland“ aufmerksam machen wollen:

  • Das bietet aus Datenschutzsicht zum einen Transparenz hinsichtlich des Cloud-Standorts – eine Transparenz, die die Aufsichtsbehörden für den Datenschutz ausdrücklich fordern.
  • Zum anderen weist die Aussage „Cloud-Services aus Deutschland“ darauf hin, dass das Datenschutzrecht aus Deutschland bzw. aus dem EU/EWR-Raum zur Anwendung kommt. Das löst bekanntlich das Problem einer Datenweitergabe an Stellen in Drittländern.

Internationale Cloud-Anbieter erlauben zunehmend die Standortwahl

Aber auch internationale Anbieter von Cloud-Diensten sehen die Bedeutung des Cloud-Standorts für den deutschen und europäischen Anwendermarkt. Das ist einer der Gründe dafür, dass internationale Provider eigene Rechenzentren zum Cloud-Betrieb in Deutschland oder einem EU-Nachbarland errichten oder übernehmen. Alternativ werden fortwährend Kooperationen zwischen internationalen Anbietern und deutschen Rechenzentrumsbetreibern angekündigt.

Für die Auftragskontrolle ist dies eine wichtige Entwicklung. Denn wenn eine Vor-Ort-Kontrolle ansteht, ist dies bei einem Rechenzentrumsbetrieb in Deutschland oder einem EU-Nachbarland natürlich wesentlich einfacher zu realisieren.

Was das für den Datenschutzbeauftragten bedeutet

Wenn internationale Cloud-Anbieter rund um die CeBIT 2015 bekannt geben, dass sie nun auch einen deutschen Cloud-Standort anbieten und die Standortfrage als ein zentrales Entscheidungskriterium ihrer Kunden betrachten, dann ist dies zweifellos in Verbindung mit der laufenden Datenschutz-Diskussion zum Cloud Computing in Deutschland und in der EU zu sehen.

Für den Datenschutzbeauftragten sind die Informationen über den Cloud-Standort wichtig und hilfreich. Daher gilt:

  • Selbstverständlich sollte der Cloud-Standort auch Gegenstand der Verträge und Leistungsbeschreibungen sein.
  • Zudem sollte vertraglich festgelegt sein, dass ein möglicher Standortwechsel dem Anwenderunternehmen vorab angezeigt wird und zustimmungspflichtig ist.
  • Wenn der Cloud-Standort ein wesentlicher Grund für die Entscheidung für einen bestimmten Cloud-Anbieter war, sollte es selbstverständlich sein, dass eine Änderung hin zu Drittstaaten auch ein Sonderkündigungsrecht nach sich zieht.
  • Nicht zuletzt sollte geklärt werden, dass selbst temporäre Auslagerungen an andere Cloud-Standorte mitgeteilt werden müssen und eine Zustimmung voraussetzen. Solche temporären Standortwechsel zum Beispiel bei Lastspitzen könnten reichen, ein Datenschutz-Problem zu erzeugen, wenn die Daten an einen anderen Cloud-Standort mit anderer Gesetzgebung ausgelagert werden.

Nutzen Sie die aktuelle Arbeitshilfe, um die Frage nach dem Cloud-Standort genau zu klären.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker, ist IT-Fachjournalist und IT-Analyst.

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