27. Mai 2013 - Browser-Sicherheit

Browser-Toolbars: Nützliche Hilfsmittel oder heimliche Spione?

Ein zusätzliches Suchfeld im Browser, die automatische Bewertung einer Webseite oder die Abkürzung zu einem bestimmten Online-Dienst – Toolbars bieten durchaus praktische Funktionen im Webbrowser. Doch nicht jede Erweiterung im Browser ist so harmlos, wie sie scheint.

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Toolbars sind praktische Werkzeugleisten für das Internet. Jedoch ist hinsichtlich des Datenschutzes Vorsicht geboten. (Bild: Thinkstock)

Webbrowser sind wie Schweizer Offiziersmesser für das Internet, sie stecken voller Funktionen. Videos lassen sich abspielen, Podcasts hören, PDF-Dateien öffnen, nicht zuletzt bieten sie den Zugang zu Internetsuchmaschinen und zahllosen Websites.

Obwohl der heutige Standardfunktionsumfang der Browser bereits enorm ist, gibt es eine große Bandbreite an Add-ons, Plug-ins und Toolbars. Die Toolbars sind zusätzliche Werkzeuge, die über die Menüleisten der Browser erreichbar sind.

Toolbars auf Wunsch oder als Zusatzgabe

Internetnutzer können ihre Browser leicht um Toolbars ergänzen:

  • Beispiel Google Toolbar: Sie liefert Echtzeitergebnisse zur Google-Suche (Google Instant), die Übersetzung von Webseiten auf Knopfdruck und eine Verknüpfung zum sozialen Netzwerk Google+. Ein Klick genügt dann, und schon kann man Inhalte mit anderen Nutzern von Google+ teilen.
  • Oder man wählt die Yahoo Toolbar: Sie bietet eine Abkürzung zur Yahoo-Suche und auf Wunsch individuelle Nachrichten, Wetterberichte oder Börsenkurse.
  • Auch Web-Mail-Dienste bieten Toolbars, zum Beispiel für das schnelle Abrufen neuer E-Mails.
  • Webanalyse-Dienste offerieren ebenfalls Toolbars, die zum Beispiel die Beliebtheit von Webseiten anzeigen.
  • Kundenkarten-Anbieter haben ebenso Toolbars im Programm, die Nutzern melden, wenn eine bestimmte Webseite bei dem Kundenkarten-Programm teilnimmt.
  • Nicht zuletzt die IT-Sicherheitsunternehmen gehören zu den Toolbar-Anbietern. Deren Toolbars bewerten zum Beispiel die Sicherheit von Webseiten.

Nicht alle Toolbars installiert der Nutzer allerdings von sich aus. Manche werden mehr oder weniger bei der Installation anderer Software einfach mitgeliefert.

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Daten für die Toolbar

Für den Datenschutz wird es spannend, wenn Toolbars individualisiert oder wenn Daten an den Toolbar-Betreiber gesendet werden. In beiden Fällen stellt sich die Frage, ob und welche personenbezogenen Daten übertragen werden, ob sich der Nutzer dessen bewusst ist und wie die Daten genutzt und gesichert werden.

Im Extremfall kann eine Toolbar statt einer nützlichen Werkzeugleiste eine konkrete Gefahr für personenbezogene Daten darstellen: So könnten sich individualisierte Toolbars für die Erzeugung von Nutzerprofilen missbrauchen lassen. Zudem könnten Toolbars jede mit dem Browser besuchte Webseite protokollieren, zusammen mit IP-Adressen und anderen Daten des Nutzers.

Schnell wird klar: Toolbars sind eine Herausforderung für den Online-Datenschutz und nicht nur eine einfache Funktionserweiterung im Browser.

Betreibermodell und Datenschutzerklärung prüfen

Da die meisten Toolbars kostenlos sind, sollten Sie den Internetnutzern empfehlen, vor der Installation das Geschäftsmodell des Anbieters zu überdenken und in jedem Fall die Datenschutzerklärung zur Toolbar zu prüfen:

  • Warum bietet der Betreiber die Toolbar an (Werbung für weitere Dienste, Zusatzfunktion eines nicht webbasierten Produkts)?
  • Welche Angaben muss der Nutzer machen (Registrierung, Individualisierung)?
  • Ist die Toolbar online mit dem Anbieter verbunden (Echtzeit-Dienste)? Tipp: Toolbars mit Online-Verbindung zum Anbieter erzeugen in der Regel eine Fehlermeldung, wenn man sie nutzen möchte, ohne mit dem Internet verbunden zu sein.
  • Was sagt die Datenschutzerklärung zur Sammlung, Nutzung und Weitergabe der Daten?
  • Lässt sich die Toolbar problemlos wieder deinstallieren?

Sollen im Unternehmen spezielle Toolbars betrieblich genutzt werden, sollten Sie diese vorab prüfen. Dabei hilft Ihnen die Checkliste zu den Browser-Toolbars.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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