7. Dezember 2009 - Soziale Netzwerke

Bedeutet zentraler Zugang auch zentrale Gefahr?

Mobiles Internet und soziale Netzwerken gehören zu den stärksten Online-Trends. Neue Angebote wie Vodafone 360 fügen beide Strömungen zusammen. Im Ergebnis hat der Nutzer einen zentralen, einheitlichen Einstieg ins mobile und soziale Netz. Doch mit solchen Komfortfunktionen steigt auch der Bedarf an Vorsorge- und Schutzmaßnahmen für personenbezogene Daten.

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Vodafone 360 ist ein Beispiel für die Fusion von mobilem Internet und sozialen Netzwerken (Bild: Vodafone).

Mehr als 600 Millionen Menschen werden in 2013 soziale Netzwerke und E-Communitys über ihr Mobiltelefon ansteuern, so das Ergebnis einer Analyse des Marktforschungsunternehmens eMarketer.

Immer mobil und online

Da verwundert es nicht, dass bereits Lösungen für Menschen entwickelt wurden, die immer online, mobil und vernetzt sein wollen. Der Anfang November 2009 gestartete Dienst Vodafone 360 ist ein Beispiel dafür.

Mit Vodafone 360 können Anwender auf ihrem Smartphone und auf ihrem PC auf verschiedene Dienste zugreifen, die immer nur an einer Stelle verwaltet werden müssen und von jedem Internetzugang aus genutzt werden können. Zu diesen Diensten gehört insbesondere People, das alle Kontakte aus dem Handy-Telefonbuch, aus sozialen Netzwerken und den Internet-Accounts bündeln kann.

Neue Welt, neue Gefahren?

Vodafone hat den Dienst Vodafone 360 als „eine neue Welt des mobilen Internets“ angekündigt. Denn die neue Oberfläche vereint Freunde, Netzwerke und persönliche Favoriten wie Fotos, Musik, Spiele und über 500 Applikationen an einem Ort, dem Vodafone 360 Konto, das über verschiedene Mobiltelefone und von jedem Internet-PC aus erreichbar ist.

Aus Sicht des Datenschutzes ist besonders interessant, was ein solcher, scheinbar zukunftsweisender Dienst mit den Benutzerdaten und den Daten macht, die man aus anderen Diensten wie Facebook, G-Talk und Windows Live Messenger (Google Adressbuch, Hotmail Adressbuch, StudiVZ und Twitter sollen folgen) importieren kann.

Registrierung bedeutet Personalisierung

Wer sich für einen Dienst wie Vodafone 360 registriert, wird auch um Daten wie Alter und Geschlecht gebeten. Während die (für Vodafone nicht prüfbare!) Altersangabe Minderjährige besonders schützen soll, können

  • Alter und Geschlecht zusammen mit dem
  • Wohnort,
  • dem aktuellen Standort und
  • anderen Daten, die der Benutzer offenlegt,

für personalisierte Werbung und personalisierte Inhalte genutzt werden, wie die aktuellen Datenschutzbestimmungen von Vodafone 360 erklären.

Auch mögliche Online-Einkäufe und Internetsuchen, die man über den Dienst startet, können zu personalisierten Empfehlungen und speziellen Marketingmitteilungen führen. Diese personalisierten Werbeformen kann man jedoch bei Vodafone oder dem eigenen Netzbetreiber abbestellen (Opt-out).

Profile lassen sich suchen

Wie bei stationären sozialen Netzwerken können die Profilangaben des Nutzers auch von anderen Anwendern über Suchanfragen (z.B. nach Namen oder Handynummer) gefunden werden, es sei denn, man hat angegeben, man ist unter 18 Jahren oder möchte nicht gefunden werden.

Ebenfalls sichtbar für die Personen, die über die Privatsphären-Verwaltung eine entsprechende Freigabe des Nutzers erhalten haben, sind der Online-Status und der tatsächliche Standort des Nutzers über Ortungsfunktionen wie GPS, Funkzellen-Ortung und WLAN-Ortung.

Dritte bleiben ungefragt

Während der Anwender also selbst über seine Privatsphäre entscheiden kann, wenn er die Funktion Privatsphären-Verwaltung nutzt, haben die Kontakte des Nutzers weniger Chancen, über ihre Daten zu entscheiden.

In den Datenschutzbestimmungen von Vodafone 360 heißt es dazu: „Wenn Du mit einer der Funktionen dieses Dienstes Deine Kontakte und Inhalte aus einem anderen sozialen Netzwerk integrierst, werden Deine Daten sowie die Daten Deiner Freunde und Kontakte v on dem Netzwerk zu diesem Dienst übertragen. Solltest Du Dich dafür entscheiden, musst Du dabei bedenken, ob das Deinen Freunden und Familienmitgliedern recht ist“.

So können die eigenen Daten durchaus Teil eines Dienstes wie Vodafone 360 werden, ohne dass man selbst Mitglied wird. Es reicht aus, der Kontakt eines Mitglieds zu sein.

Forderungskatalog der Verbraucherschützer beachten

Ein Blick in den aktuellen Forderungskatalog Soziale Netzwerke der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. zeigt jedoch, dass dies auch von Verbraucherschützern kritisch gesehen wird: „Daten anderer Nutzer werden über Schnittstellen nicht ohne Zustimmung preisgegeben“, so lautet eine der Forderungen. Die Aufgabe, die Zustimmung einzuholen, obliegt bei Vodafone 360 allerdings jeweils dem Anwender selbst, sofern er sich dessen wirklich immer bewusst ist.

Zentrale Daten sind riskant

Ein weiterer Aspekt sollte bei der zentralen Verknüpfung von Kontakten und Netzwerken nicht vergessen werden: Über nur einen Zugang stehen alle verknüpften Daten zur Verfügung, für den Anwender, aber auch für einen Datendieb. Vodafone 360 prüft deshalb die Stärke des Passworts bei der Registrierung und fordert mindestens sechs Zeichen.

An anderer Stelle weist Vodafone zudem auf Identitätsdiebe in sozialen Netzwerken und auf mobile Handy-Viren hin. Tatsächlich hat sich laut dem Sicherheitsanbieter Kaspersky die Zahl der Handy-Viren zwischen 2006 und 2009 verdreifacht. Mobile Malware kann unter anderem Smartphones fernsteuern und vertrauliche Daten stehlen, genau wie Malware auf dem stationären PC. Handy-Viren sind jedoch besonders gefährlich, da Mobiltelefone in der Regel weniger gut geschützt sind als PCs.

Datenschutz muss nicht zwingend unter die Räder kommen

Damit also in Zukunft mobile Internetdienste sicher genutzt werden können und der Datenschutz nicht unter Komfortfunktionen auf Smartphones leidet, sollten schon heute die richtigen Vorsorge- und Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Mit dem richtigen Schutz und den richtigen Einstellungen für die Privatsphäre können dann mobile Dienste privat und beruflich eine große Hilfe werden.

Checkliste Sicherheitsmaßnahmen bei mobilen und sozialen Netzen

Ihre Checkliste zur Sicherheit bei mobilen und sozialen Netzen sollte u.a. folgende Fragen prüfen bzw. bei Kollegen bewusst machen:

  • Wird auf die Verknüpfung von Profilen in sozialen Netzwerken verzichtet?
  • Werden Zusatzapplikationen und Schnittstellen in sozialen Netzwerken kritisch hinterfragt, da diese die eigenen Daten und die der Kontakte übertragen könnten?
  • Sind die Opt-Out-Funktionen für Werbung in sozialen Netzwerken bekannt?
  • Sind die Ortungsmöglichkeiten von Handys und Smartphones bekannt?
Weitere wichtige Punkte finden Sie in der kostenlosen Checkliste Sicherheitsmaßnahmen bei mobilen und sozialen Netzen im Download-Bereich.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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