25. Februar 2010 - Intelligente Arbeitsumgebungen

Ambient Intelligence – Gefahr für den Datenschutz?

Eine Arbeitsumgebung, die sich automatisch an den Menschen anpasst – was bis vor Kurzem noch wie Science Fiction klang, ist mittlerweile in Reichweite: Dank Ambient Intelligence sollen sich Arbeitsmittel und Umgebung selbstständig an die Bedürfnisse ihrer Nutzer anpassen. Damit das funktioniert, sind jedoch zahlreiche sehr persönliche Informationen über den jeweiligen Mitarbeiter nötig.

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Bürostühle, die an Pausen erinnern, Beleuchtungseinrichtungen, die sich automatisch an die aktuelle Tätigkeit des Mitarbeiters anpassen oder den Sonnenschutz am Fenster aktivieren, Temperatursensoren, die selbstständig die Heizung herunterregeln, wenn es zu warm ist im Büro – Ambient Intelligence soll den Menschen bei seiner Tätigkeit entlasten und unterstützen.

Sensoren, Funknetze und Mini-Computer steuern die Umgebung

Dazu werden Informationen geliefert, die aktuell für die Arbeitsprozesse benötigt werden, und Einstellungen vorgenommen, die dem Menschen helfen, ohne dabei unnötig von der aktuellen Beschäftigung abzulenken.

Dafür sind bei Lösungen im Bereich Ambient Intelligence Sensoren, Funknetze und Mini-Computer im Einsatz. Das alles läuft im Hintergrund ab, im Idealfall fast unbemerkt.

Mitarbeiterdatenschutz – Überwachunug und Kontrolle möglich

Damit verbunden sind jedoch auch mögliche Risiken, die mit der Einführung solcher intelligenter Arbeitssysteme verbunden sind. Denken Sie nur an die Fragen des Datenschutzes für Beschäftigte, der gerade dann zum Tragen kommt, wenn die Tätigkeiten überwacht und Personen geortet werden, wie dies für die intelligenten Reaktionen von Arbeitsumgebungen und Arbeitsmittel notwendig ist.

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Ambient Intelligence ist bereits Realität

Was sich nach Zukunftsträumen anhört, ist an vielen Stellen im Arbeitsleben und in zahlreichen Projekten schon Wirklichkeit geworden. Sei es die Persönliche Schutzausrüstung (PSA), die dank RFID bei ihrer Überprüfung hilft, seien es intelligente Lagersysteme, die bei der Routenoptimierung im Lager helfen, oder die intelligente Arbeitskleidung, die Sicherheitshinweise geben kann.

Sogar intelligente Bürostühle sind bereits auf dem Markt verfügbar, wie die mit Sensoren ausgestatteten Sitzmöbel von Dauphin HumanDesign Group. Bereits ein Sensor, der ermittelt, ob der Stuhl besetzt ist oder nicht, kann zur Beeinflussung der Arbeitsumgebung beitragen. Heizung, eine zusätzliche Beleuchtung am Schreibtisch und Klimaanlage könnten so informiert werden, dass sie ihren Dienst aufnehmen oder beenden sollten.

Sogar an die wichtigen Bewegungspausen kann solch ein Bürostuhl erinnern: Mit der Funktion „standup & move“ kann ein individueller Hinweisgeber aktiviert werden, der daran erinnert, auch einmal wieder aufzustehen und sich zu bewegen. Das Modell TakeOver von Dauphin passt sich zum Beispiel automatisch an das Gewicht des Nutzers an und hält Sitz und Rückenlehne dynamisch im richtigen Winkelverhältnis.

Auch Industrieanlagen denken mit

Die vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH betriebene intelligente Fabrik SmartFactory KL zeigt, dass Ambient Intelligence nicht beim Büro aufhört. In der SmartFactory KL werden unter anderem Bedienelemente, Kommunikationssysteme und Lösungen zur Ortung innerhalb einer Fabrik untersucht und entwickelt, um Arbeitsumgebungen und Arbeitsmittel noch besser auf die modernen industriellen Abläufe und auf den Menschen abzustimmen. Beispiele für Ambient Intelligence im Industriebereich finden Sie unter www.smartfactory.de

Ambient Intelligence könnte somit Arbeitsprozesse und Arbeitsschutz in Zukunft deutlich beeinflussen, aber auch zum Datenschutz-Thema werden.

Deshalb hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Ambient Intelligence (AmI, intelligente Arbeitsumgebung) als eines der sechs priorisierten Forschungsthemen für 2010 bis 2013 ausgewählt, wobei auch die Risiken solcher Systeme nicht aus den Augen gelassen werden dürfen, wie die BAuA unterstreicht.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachautor.

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