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News
20. April 2021

Online-Prüfungen: Studierende fürchten Überwachung

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Stefan Brink (LfDI BaWü) prüft ob die Online-Prüfungen datenschutzkonform umgesetzt werden. Er will die Rechte der Studierenden wahren.
Bild: Pheelings Media / iStock / Getty Images Plus
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Datenschutz an Universitäten und Hochschulen
Wie können Universitäten und Hochschulen die Online-Prüfungen für Studierende während der Pandemie angemessen und datenschutzkonform durchführen? Das prüft aktuell der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg (LfDI BaWü) – und will die Rechte der Studierenden wahren.

„Online-Prüfungen sollen Wissen und Fähigkeiten abfragen, nicht Studierende übermäßig überwachen“, betont der baden-württembergische LfDI Stefan Brink in einer Pressemitteilung.

Studierende legen Prüfungen online ab

Wegen der Corona-Pandemie finden an Universitäten und Hochschulen die meisten Veranstaltungen online statt – auch Prüfungen. Um keine wertvolle Studienzeit zu verlieren, nutzen die meisten Studierenden dieses Angebot.

Hochschulen setzen auf Online-Proctoring

Damit es bei solchen online-Prüfungen nicht zu Betrugsversuchen kommt, setzen Hochschulen häufig auf das so genannte „Online-Proctoring“.

Was ist Online-Proctoring?

„Mit dem Begriff Online-Proctoring werden digitale Formate der Prüfungsbeaufsichtigung bezeichnet, die eine ortsunabhängige Realisierung von sicheren sowie zuverlässigen Prüfungen ermöglichen sollen“, erklärt der Experte Dr. Matthias Baume in einem Interview auf der Webseite Hochschulforum Digitalisierung.

„Zu diesem Zweck werden im Online-Proctoring Webcams verwendet, um eine ordnungsgemäße Beaufsichtigung von Prüfungsteilnehmer*innen zu gewährleisten.“

Studierende fürchten Überwachung

Dieser Einsatz von Technik kann massiv in die Rechte von Studierenden eingreifen – und belastet immer mehr Studierende. Wie die Washington Post berichtet, rebellieren in den USA etliche Studierende gegen den Einsatz von Spähsoftware.

Auch unter deutschen Studierenden wird Kritik laut – sie fürchten eine Überwachung durch Kamera und Mikrofone. Ein Video in der Mediathek des LfDI BaWü zeigt das sehr anschaulich.

Landesdatenschützer unterstützt Studierende

„Online-Proctoring kann maßlos sein und Studierende in äußerst unangenehme Situationen bringen“, sagt Stefan Brink. „Datenschutzrechtlich nehmen wir das Thema Online-Proctoring jetzt in den Fokus.“

Nach seinen Informationen

  • fordern Hochschulen die Studierende mitunter auf, die Webcam und das Mikrofon am Gerät während der Prüfung dauerhaft einzuschalten,
  • sollen Studierende eine „geeignete“ Soft- und Hardware einsetzen, auf der die manuelle oder automatisierte Kontrolle erfolgen kann.

LfDI verschafft sich Überblick über eingesetzte Software

Die verwendete Software kann sich – so befürchtet Stefan Brink – „zum Teil tief in die Systeme“ der Studierenden einnisten und zu Eyetracking oder dem Auslesen der Browserhistorie führen.

Aktuell verschafft er sich deshalb einen Überblick darüber, welche Software die Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg bei online-Prüfungen tatsächlich einsetzen. Dafür schrieb er alle öffentlichen Hochschulen an und wertet nun deren Rückmeldungen aus.

Wichtig
Was das Landeshochschulgesetz sagt:

Laut Paragraph 32a und 32b des Landeshochschulgesetzes

  • muss die Teilnahme an Online-Prüfungen freiwillig sein,
  • dürfen Kamera- und Mikrofonfunktion nur aktiviert werden, wenn es für das Prüfungsformat zwingend erforderlich ist,
  • muss die Videoaufsicht so eingerichtet werden, dass der Persönlichkeitsschutz und die Privatsphäre der Betroffenen „nicht mehr als zu berechtigten Kontrollzwecken erforderlich“ eingeschränkt wird,
  • darf keinesfalls eine Aufzeichnung der Prüfung stattfinden.

Elke Zapf
Verfasst von
Elke Zapf
Elke Zapf

ist freiberufliche Kommunikationsexpertin und Journalistin. Ihre Schwerpunkte sind Wissenschaft, Forschung, nachhaltiger Tourismus und Datenschutz.

Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Pressearbeit, Unternehmenskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation.

Zehn Jahre leitete sie die Hochschulkommunikation der Technischen Hochschule Nürnberg und war Pressesprecherin der Hochschule. Davor leitete sie den Sachbereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Das journalistische Handwerkszeug lernte sie ganz klassisch bei einem Redaktionsvolontariat direkt nach dem Studium der Politischen Wissenschaften.

Kontakt:

https://www.zapf-kommunikation.de/

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