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Hintergrund
22. März 2021

Google-Tracking: Kommt das Ende?

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FLoC wird Third-Party-Cookies ersetzen - aber nicht das ONline-Tracking komplett
Bild: iStock.com / TarikVision
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Personalisierte oder interessenbasierte Werbung
Google will keine alternativen Tracking-Verfahren einsetzen, wenn Browser keine Drittanbieter-Cookies mehr unterstützen. Diese Ankündigung hat in der Werbeindustrie und bei Datenschützern für Aufsehen gesorgt. Doch bedeutet sie wirklich das Ende der personalisierten Werbung und des Online-Trackings?

Keine Cookie-Alternativen bei Google

„Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir nach dem Auslaufen von Drittanbieter-Cookies keine alternativen Kennungen erstellen, um Personen beim Surfen im Internet zu verfolgen, und dass wir sie auch nicht in unseren Produkten verwenden“, so David Temkin, Director of Product Management, Ads Privacy and Trust bei Google Anfang März 2021.

Bis zu diesem Zeitpunkt stand die Frage im Raum, welche Cookie-Alternativen Google einsetzen würde, nachdem klar war, dass Google Chrome und andere Webbrowser bald keine Cookies von Drittanbietern mehr unterstützen.

Diese Third-Party-Cookies sind bislang ein zentrales Verfahren, um Nutzeraktivitäten über verschiedene Websites hinweg nachzuverfolgen.

Das Ende personalisierter Werbung?

Die Werbewirtschaft nutzt Tracking-Cookies bisher, um personalisierte Werbung auszuspielen. Für den Datenschutz ist dieses Online-Tracking mehr als ein Ärgernis. Denn für das Setzen der (nicht funktional notwendigen) Cookies fehlt oftmals die informierte Einwilligung.

Lässt nun der Platzhirsch Google keine Drittanbieter-Cookies mehr zu und will er auch keine anderen Tracking-Kennungen einführen, läutet dies auf den ersten Blick das Ende der personalisierten Werbung ein.

Doch nur auf den ersten Blick. Denn auf den zweiten Blick zeigt sich: Zukünftig soll sich die Werbung bei Google an Interessengruppen orientieren, zu denen Google einen Nutzer zuordnet. Dazu setzt Google das Verfahren FLoC (Federated Learning of Cohortes, https://github.com/WICG/floc) ein.

FLoC

Das FLoC-Verfahren spricht keine einzelnen Nutzer an, sondern Mitglieder einer Gruppe. Allerdings werden Sie als Nutzende ohne weiteres Zutun Mitglied einer Interessengruppe. Das geschieht, indem Sie zum Beispiel nach bestimmten Themen suchen oder passende Webseiten öffnen.

Sie können aus der Interessengruppe austreten, wenn Sie

  • zum einen von diesen Gruppen wissen und
  • zum anderen auch die Funktion kennen, um auszutreten.

Ein Blick in das eigene Google-Konto zeigt, zu welchen und zu wie vielen Gruppen Google Sie bereits zugeordnet hat. Das kann überraschende Einblicke geben, welche Interessen Google vermutet oder über Ihr Surfverhalten sichtbar geworden sind.

Datenschutz bleibt doppelt wichtig

Können Sie nun in Zukunft auf einen Schutz gegen Online-Tracking verzichten? Google selbst verweist darauf, dass andere Anbieter weiterhin auf Tracking-Alternativen setzen könnten.

So sagt der Google-Manager David Temkin: „Wir sind uns bewusst, dass dies bedeutet, dass andere Anbieter möglicherweise eine Benutzeridentität für die Anzeigenverfolgung im Internet anbieten, die wir nicht bieten werden – wie PII-Diagramme, die auf den E-Mail-Adressen von Personen basieren. Wir glauben nicht, dass diese Lösungen die steigenden Erwartungen der Verbraucher an den Datenschutz erfüllen werden, und sie werden auch den sich schnell entwickelnden regulatorischen Beschränkungen nicht standhalten und sind daher keine nachhaltige langfristige Investition.“

Zum anderen stellt sich die Frage, wie Sie sich gegen unerwünschtes „Federated Learning of Cohortes“ schützen können, wenn Sie nicht nur aus Interessengruppen austreten wollen, ohne jemals dort aktiv eingetreten zu sein.

Während Sie im Browser Ihren Cookie-Manager anweisen können, keine Cookies zu akzeptieren, müssen Sie erst noch erfahren, wie Sie die Einträge in den Interessengruppen vorab beeinflussen können.

Datenschützer warnen zudem davor, dass zum Beispiel FloC zusammen mit Browser-Parametern (Browser-Fingerprinting) ausgelesen werden könnte, um neben der Interessengruppe doch noch möglichst den einzelnen Nutzer über seinen Browser ermitteln zu können.

Praxis-Tipp
Gehen Sie insofern nicht davon aus, dass es kein Online-Tracking mehr geben wird. Es ändern sich allein die Verfahren. Ob wirklich und dauerhaft in Richtung Datenschutz, muss sich erst noch zeigen. Online-Datenschutz bleibt wichtig, in Zeiten neuer Verfahren und Ansätze sogar besonders wichtig.

Oliver Schonschek

Oliver Schonschek
Verfasst von
Oliver Schonschek
Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist freiberuflicher News Analyst, Journalist und Kommentator, der sich auf Sicherheit, Datenschutz und Compliance spezialisiert hat. Er schreibt für führende Medien, ist Herausgeber und Autor mehrerer Lehrbücher. Kontakt:
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