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Heimliche Videoüberwachung

Wenn die Webcam zum Spion wird

Webcams machen Videokonferenzen erschwinglich und liefern sogar Bilder möglicher Notebook-Diebe. Sie könnten aber auch zur Videoüberwachung der Mitarbeiter missbraucht und von Hackern als Spion eingesetzt werden. Prüfen Sie deshalb die Verwendung und Absicherung von Webcams und Mikrofonen bei betrieblich genutzten Laptops.

Webcams lassen sich recht leicht zur heimlichen Videoüberwachung missbrauchen

Webcams lassen sich recht leicht zur heimlichen Videoüberwachung missbrauchen

Wer über das Internet Videotelefonate führen will, braucht dazu meistens nur noch eine Software wie Skype oder einen Instant Messenger wie Windows Live Messenger oder ICQ.

Mögliche Videoüberwachung mit Webcam vorinstalliert

Die notwendige Webcam und das Mikrofon sind in vielen Business-Notebooks, aber auch in Consumer-Laptops bereits eingebaut. Man installiert nur noch die gewünschte Software für die Videotelefonie. Sie erkennt die eingebaute Webcam und macht gleich einen Funktionstest. In kurzer Zeit lächelt man sich selbst auf dem Notebook-Display an.

Weniger zum Lächeln ist jedoch die Gefahr, dass auch Dritte die vorinstallierte Webcam aktivieren und fernsteuern können.

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WebcamGate kein Einzelfall

Erst kürzlich wurde in den USA ein Fall bekannt, der als WebcamGate durch die Medien geht.

Doch nicht nur bei Schulen, die Laptops mit Webcam an ihre Schüler vergeben, besteht die generelle Gefahr, dass ein unbemerkter Zugriff von außen auf die Notebook-Webcam erfolgt. Es wurden bereits Notebooks mit Trojanern verseucht, die eine Fernsteuerung der Webcam im befallenen System ermöglichen.

So hatte zum Beispiel ein 47-Jähriger auf Zypern einer Minderjährigen während des Chats die E-Mail-Adresse entlockt und ihr dann einen Trojaner mitgeschickt. Dadurch gelang es dem inzwischen Verurteilten, das Mädchen heimlich per ferngesteuerter Webcam zu beobachten.

Checkliste Einsatz von Webcams
Sehen Sie sich anhand dieser Checkliste die Verwendung von Webcams in Ihrem Unternehmen genau an, damit kein unbefugter Dritter mehr zu sehen bekommt, als den Webcam-Nutzern lieb sein dürfte!


Webcams sind beliebte Hacker-Ziele

Hacker gehen bereits seit Jahren auf die Jagd nach ungeschützten Webcams im Internet (Hack-the-Cam). Dazu brauchen sie keine besonderen Werkzeuge; eine einfache Internet-Suchmaschine reicht.

Wie die Suche nach aktiven Webcams funktioniert, zeigen öffentlich verfügbare Videos im Internet. So verraten sich viele Webcams im Internet durch „powered by“ gefolgt von ihrem Produktnamen und der Version, durch die Ausgabe einer Datei „webcam.html“ oder durch die Wörter „live view“ in der Internetadresse zur Webcam.

Findet der Hacker auf diese oder ähnliche Weise eine ungeschützte Webcam, hat er schnell alle Möglichkeiten, die der legitime Benutzer auch hat: Je nach Steuerungssoftware der Webcam kann ein Angreifer Livebilder sehen, gespeicherte Bilder abfragen oder die Ausrichtung der Webcam ändern.

Bei Werbung bitte recht freundlich

Auch Flash-Applikationen können unter Umständen auf Webcam und Mikrofon zugreifen. Mit Malware verseuchte Flash-Werbebanner könnten unerkannt die Webcam anschalten und vertonte Videos des nichtsahnenden Opfers aufzeichnen.

Ein Klick auf ein solches Werbebanner kann dafür ausreichen, dass die ungewollte Videoüberwachung beginnt. Eine Absicherung des Flash-Players im Browser ist deshalb entscheidend für die Sicherheit der Webcam.

Webcams als Diebstahlschutz?

Doch Webcams sind nicht nur mögliche Angriffsziele. Die Webcam in einem Notebook wird von verschiedenen Anbietern auch als Diebstahlschutz angepriesen.

Wer sein Notebook während der Mittagspause zurücklässt, könne die Webcam aktivieren. Ändert sich das Bild, das von der Webcam aufgezeichnet wird, dann startet die Webcam eine Aufnahme und sendet die Bilder des möglichen Diebs schnell als E-Mail an den Besitzer.

Ganz abgesehen davon, dass dies kein Schutz vor Datendiebstahl oder Notebook-Diebstahl ist, sondern höchstens der Aufklärung eines Diebstahls helfen könnte, wird so ggf. ein anderer Kollege, der die Mittagspause im Büro verbleibt, ungewollt bei jeder Bewegung gefilmt, unter Umständen, ohne dies zu wissen.

Prüfen Sie die Nutzung von Webcams

  • Werden in Ihrem Unternehmen Webcams für Videotelefonate genutzt?
  • Oder sogar als eine Art Diebstahlschutz für Notebooks?
  • Wissen die Mitarbeiter von der möglichen Aktivierung der Webcam aus der Ferne?
  • Wurden die Standardeinstellungen der Webcams überprüft?
  • Kann die Webcam bei Nichtgebrauch mit einem Deckel verschlossen werden?
  • Wird ihre Aktivierung dem Nutzer angezeigt (Hinweis auf dem Display oder spezielles Warnlämpchen neben der Webcam)?

Diese und mehr Fragen zur Prüfung des datenschutzkonformen Einsatzes von Webcams finden Sie in dieser Checkliste.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

Veröffentlicht:
2010-05-06

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